Bad Liebenzell

Das Monbachtal und die gleichnamige Schlucht bei Bad Liebenzell bieten fabelhafte und familientaugliche Naturerlebnisse. Und wer eine extravagante Version von Minigolf erleben möchte, ist am Fuße des Tals ebenfalls richtig.

Bad Liebenzell - Dass hinter dem moosbewachsenen, tauglitzernden Findling gleich kichernd das Glasmännlein hervorblinzelt oder auf der anderen Bachseite düster der Holländer-Michel aus dem Unterholz tritt – das scheint in diesem Moment zumindest im Bereich des Möglichen. Feuchtwarm, leicht vernebelt und einsam liegt das Monbachtal da. Jedes Rascheln, jedes Knacksen dringt überscharf ans Ohr. Würziger, intensiver Laubnadelduft tränkt die Luft.

Das Tal im Nordosten von Bad Liebenzell ist selten menschenleer. An diesem Tag ist es allerdings trüb und nieselig. Kaum eine Menschenseele sucht das Naturerlebnis in der urtümlichen Monbachschlucht, obwohl Ferien sind. Die perfekte Gelegenheit also für einen Corona-abstandskonformen Ausflug mit Kindern. Knöchelsicherndes, Trekkingschuhwerk geschnürt – und los.

Das Tor in eine andere Welt

Vom Bad Liebenzeller Bahnhof geht es erst einmal ein ordentliches Stück am Ostufer der Nagold entlang; ihren Wasserpegel hat die Hitze bedenklich gesenkt. Zwischen einem Minigolfplatz mit Kiosk und Außenbewirtschaftung, christlichen Gästehäusern und dem Café Monbachtal führt dann, eher unscheinbar, ein schmaler Pfad in den Wald – das Tor in eine andere Welt: in eine wilde, vom eigenwillig mäandernden Monbach geprägte Wald-, Felsen- und Wasserlandschaft, die gerne und treffend als „Schwäbischer Urwald“ umschrieben wird.

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Die Kinder sind in ihrem Element. Kaum unterm Blätter- und Baumnadeldach, zerren der Elf- und die 17-Jährige ihre Schuhe von den Füßen, um barfuß über Waldboden und Steine zu marschieren. Elternbedenken – Spreißel! Erdwespen! Spitze Steine! – lachen sie unbekümmert weg, bauen Kieseltürmchen an Bachflachstellen, testen die Wippqualitäten toter Bäume und ziehen sich an knorrigen Wurzeln hoch, die sich wie Krallen in den Wegehang bohren. Ein Naturabenteuerspielplatz, wie man ihn sich an­regender kaum ausmalen könnte. Weil umgestürzte Baumriesen am Bachbett liegen bleiben, kann es passieren, dass sich eine vermeintlich bekannte Stelle beim nächsten Besuch mit verändertem Gesicht zeigt.

Besonders famos sind die Partien, bei denen man das Gewässer auf mitunter rutschigen Trittsteinen überquert. Führt der Bach viel Wasser, sind trocken bleibende Füße nicht garantiert. Wer hingegen wunderfitzig genug ist, über quer liegende Stämme auf die andere Seite zu balancieren, braucht definitiv sehr gute Trittsicherheit und einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn. Gönnerhaft beobachten die gelenkigen Kinder nach vollbrachter Tat, wie es ihnen ein anderer Wanderer nachzutun versucht – und sich nach ein paar Metern vorsichtig auf den Hosenboden niederlässt, um rittlings auf dem Stamm zur anderen Uferseite zu rutschen.

Auf dem Hosenboden auf die andere Seite

Zeit für eine Vesperpause. Sehr viel Strecke gemacht haben wir zwar noch nicht, aber dafür gibt es auch einfach zu viel zu bestaunen: Flechten, Farne, Moose, Insekten, Pilze, Holz in unterschiedlichsten Zersetzungsstadien . . . Beim grandios auf einer Lichtung am Bach gelegenen Jugendzeltplatz Monbachtal lassen wir es uns munden, um dann mit leichterem Rucksack weiterzuziehen. Als ein Höhepunkt der Tour wartet ja noch der Wasserfall, bei dem sich der Bach über pittoreske Kaskaden seinen Weg sucht. Nach etlichen trockenen Monaten ist er diesmal aber eher ein behäbiges Rinnsal. Egal – immerhin kraxelt es sich auf den nur schwach umspülten Felsbrocken besser. An der Monbachbrücke führt rechter Hand ein Weg aus dem Tal. Wer nicht, weil’s so schön war, kehrtmachen und die drei Kilometer durch die Schlucht zurückgehen will, gelangt von hier aus auf einem Forstweg bergab wieder Richtung Minigolfplatz. Die anspruchsvollere Alternative führt über den Ortsteil Monakam und den Waldfriedhof nach Bad Liebenzell.

Minigolf mit Überraschungen

Klar, dass die Kinder für Variante eins votieren. Zumal das „Godi-Golf“ Faszinationspotenzial hat: Bei dieser Mischung aus Golf und Minigolf, das auf Kunstrasen mit richtigen Golfbällen gespielt wird, macht das Überwinden der originellen Edelstahlhindernisse richtig Laune. Ein Ausklang nach Maß also – zumal der Niesel weg ist und die Sonne blinzelt. An Wilhelm Hauffs „Kaltes Herz“ mit Glasmännlein und Holländer-Michel denkt jetzt niemand mehr. Eher schon an ein kaltes Eis nach einer erhitzenden Golfpartie.

Besucherinfos

Die Monbachschlucht und das gesamte Nagoldtal entstanden vor etwa 350 000 Jahren. Die Schlucht war lange unzugänglich und unbekannt. Vom Jahr 1869 an kurbelte die Eisenbahnstrecke den Tourismus an. Ab 1888 machte sich der Verschönerungsverein Bad Liebenzell an die Erschließung der Schlucht. Sie ist Heimat für Pflanzen wie den gelben Eisenhut oder das fleischfarbene Knabenkraut, aber auch für viele Tierarten.

Die Godi-Golf-Anlage mit Biergarten ist unter Corona-Auflagen in den Sommerferien täglich zwischen 10 und 19.30 Uhr geöffnet. Nach den Ferien werden die Öffnungszeiten angepasst. Das benachbarte Café Monbachtal mit jahreszeittypischen Kuchen, Snacks oder Eisspezialitäten öffnet zwischen 13 und 18 Uhr. Auch einen Abenteuerspielplatz gibt es am Fuße der Schlucht.

Die Anfahrt

Vom Hauptbahnhof Stuttgart geht es mit der S6 bis Weil der Stadt, dort fährt der Bus 880 (wochentags jede Stunde, wochenends alle zwei Stunden) bis zum Bahnhof Bad Liebenzell. Zu Fuß geht’s die Nagold entlang bis zum Tal-Einstieg. Bis Liebenzell ist ein Ticket des bwtarif nötig. In den Sommerferien gilt in Baden-Württemberg das VVS-Abo.

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