Bottwartal

Auf den Spuren von Schiller, Hölderlin und Uhland: Der Wein-Lese-Weg zwischen Benningen und Beilstein will eine Verbindung schaffen zwischen dem Weinbaugebiet Bottwartal und dessen berühmten Literaten.

Benningen am Neckar - Für diese Literaturerfahrung braucht es weder ein Buch, noch Block und Füller, sondern Wanderschuhe: Der Wein-Lese-Weg beschert Einblicke in die Werke bekannter Schriftsteller und zugleich herrliche Ausblicke über die Weinberge im Bottwartal. Auf gut 35 Kilometern führt der Weg, der ein Teilstück des Württembergischen Weinwanderweges ist, von Benningen am Neckar im Landkreis Ludwigsburg bis nach Beilstein im Landkreis Heilbronn. Die Strecke säumen 15 Tafeln mit Informationen und Originaltexten von oder über Autoren, die mit der Region in Verbindung standen.

Durch die Schillerstadt

Will man die komplette Tour laufen, so hält man sich an die gut sichtbaren Wegweiser mit der grünen Feder auf blau-weißem Grund. Gleich zu Beginn fällt die Entscheidung schwer: Ein erster Stopp im Biergarten oder doch ein Liebesgedicht von Eduard Mörike? Für Liebhaber des gedruckten Wortes kann es nur eine Antwort geben, also geht es zu Fuß über die Brücke nach Marbach – der Literaturstadt schlechthin. Rechts oben auf dem Hügel thront das Literaturarchiv, für das die Schillerstadt international bekannt ist.

2012 kam man auf die Idee, dieses Alleinstellungsmerkmal mit dem Potenzial der Weinbaugegend zu verknüpfen, erinnert sich Andrea Hahn. Die Wahlmarbacherin hat den Wein-Lese-Weg konzipiert und begab sich damals auf die Suche nach berühmten Dichtern und Autoren. „Es war irre, auf wen ich alles gestoßen bin – hier liegt das literarische Gold auf den Straßen“, sagt die Germanistin. Nicht nur Schiller hat einen Teil seiner Lebenszeit in der Region verbracht, auch andere Größen deutscher Dichtkunst wie Ludwig Uhland, Friedrich Hölderlin und weniger bekannte mit ebenso beachtenswerten Stoffen zog es in die Gegend. So entstand der Wanderweg für „Menschen, mit Bezug zum Buch und zur Natur“, wie Hahn sagt.

Auch für eine Radtour geeignet

Zeit, sich wieder in Bewegung zu setzen, der Weg führt durch schmale Gässchen mit Fachwerkhäusern. Wer Muße hat, macht einen Abstecher in Friedrich Schillers Geburtshaus. An der Alexanderkirche geht es hinauf zum ersten Höhepunkt der Tour: Von einer Aussichtsplattform in der Nähe des Krankenhauses genießen Wanderer den Blick über die Weinberge. Der bisherige Abschnitt eignet sich ebenso für eine Erkundungstour mit dem Rad wie mit dem Kinderwagen, der Weg ist breit und asphaltiert. Außerdem führt er nun an der Freizeitanlage Galgen vorbei, ein Abenteuerspielplatz mit Ausblick.

Durch die Weinberge geht es hinab nach Steinheim an der Murr. Inzwischen sind die Leseratten in den Kontakt mit vier Literaturstelen gekommen, hergestellt aus typischem regionalem Muschelkalk. Eifrige führt der Weg weiter in die Büchleswiesen. Hier quert man den Fluss, um das klassische Fitnessprogramm für Wengerter zu absolvieren: Gut fünfzig Höhenmeter führen die Stäffele hinauf zum Burgberg. Wer oben aus der Puste ist, rastet und genießt den Ausblick über das Landschaftsschutzgebiet Unteres Murrtal.

Verpflegung besser selbst mitbringen

Durch die Felder zieht sich der Weg etwas, da bietet die Tafel zum Dichter Ludwig Uhland mit drei Versen zum Thema Wein eine willkommene Abwechslung. Weiter in Richtung Forsthof. Hier kann man in der Gutsschänke oder im Biergarten einkehren – wegen Corona lohnt sich allerdings vorab ein Blick auf die Internetseite. Trockenen Gaumens muss jedoch niemand weiterziehen: Ein Kühlschrank steht bereit, und für wenig Geld gibt es Apfelschorle aus Streuobst. Für hungrige Wanderer ist generell gute Vorbereitung ratsam: Zwar führt die Tourismusgemeinschaft Marbach-Bottwartal einen Besenkalender auf ihrer Internetseite, doch die Übersicht ist gering, und nur weil eine Einkehr geöffnet ist, liegt sie noch lange nicht optimal entlang des Weges. Hier bieten andere Touristikregionen mehr Service für Urlauber.

Aber weit ist es ja nicht mehr: Oben auf dem Benning lässt sich schon ein Blick auf die Burg Lichtenberg erhaschen, an der der zweite Abschnitt des Wein-Lese-Wegs vorbeiführt. Wieder unten im Bottwartal können Wanderer den Wasserbüffeln beim Grasen zuschauen. Von Großbottwar kommt man gut mit dem Bus zum Ausgangspunkt am Bahnhof in Benningen zurück. (textende)

Besucherinfos

Wer auf dem Weinwanderweg unterwegs ist, kann einen Zwischenstopp im Urmensch-Museum in Steinheim einlegen. Dort gibt es eine Nachbildung des Urmenschenschädels des Homo steinheimensis zu sehen, der 1933 in Steinheim gefunden wurde. Das Museum am Kirchplatz ist Mittwoch bis Freitag von 13 bis 17 Uhr, am Wochenende von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Die Burkfalknerei Hohenbeilstein mit ihren Flugvorführungen (in den Sommerferien täglich 11 und 15 Uhr, außer montags) empfiehlt sich mit Kindern, und auch das Literaturarchiv auf der Schillerhöhe in Marbach lohnt einen Besuch.

Unter www.marbach-bottwartal.de kann man Faltblätter zu den Rundwegen herunterladen. Wer von Literatur und ­Natur nicht genug bekommt, kann unter www.litspaz.de geführte Spaziergänge ­buchen.

Die Anfahrt

Vom Hauptbahnhof fahren Sie mit der S 4 nach Benningen. Vom Parkplatz an der Kelter beginnt einer der insgesamt fünf Rundwanderwege durch die Wein-Lese-Landschaft Marbach-Bottwartal. Diese laden ein, Teilabschnitte zu entdecken. Die lange Tour beginnt an der Fußgängerbrücke über den Neckar, in der Nähe des Bahnhofs.

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