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Netzwerkerinnen der Moderne - 100 Jahre Frauenkunststudium

Location:
Städtische Galerie in der Zehntscheuer Böblingen, Pfarrgasse 2, 71032 Böblingen
Datum:
Preis:
ab €1,00

Erst ab 1919 wurden Frauen, die sich zur Künstlerin berufen sahen und sich beruflich als Künstlerin betätigen wollten, offiziell und ohne Beschränkungen an deutschen Kunstakademien als Studentinnen zugelassen. Diese Errungenschaft, die nur ein Jahr nach Einführung des Frauenwahlrechts in der Weimarer Republik erfolgte, stellt einen weiteren Meilenstein im Kampf der Frauen um Gleichstellung und Gleichberechtigung dar.

Erwähnenswert: Sonderfall Stuttgarter Akademie (in den Statuten gab es kein ausdrückliches Verbot, dass Frauen nicht studieren durften!!!)
Auch, dass Frauen ein Studium an der damaligen Königlichen Kunstakademie Stuttgart aufgreifen durften, jährt sich in diesem Jahr zum 100. Mal. Bis dahin waren sie den wohlwollenden oder vernichtenden Urteilen der Männer in leitenden Positionen sowie der Kritik der Professoren und Mitstudenten regelrecht ausgeliefert. Als Folge waren sie zudem von den kostenintensiven Unterrichtsstunden bei Privatlehrern, überteuerten und separierten „Damen-Klassen“ oder auf die für Frauen eher geduldeten Ausbildungen im Zeichnen innerhalb der Kunstgewerbeschule angewiesen.

Wie wichtig dabei die Solidarität unter den gleichgesinnten Frauen, die gegenseitige Unterstützung und das gute Pflegen von Netzwerken war (ja, sie waren damals schon richtige Meisterinnen im Vernetzen), wird durch den gewählten Titel der aktuellen Präsentation zusätzlich unterstrichen.

Dementsprechend knüpft sie nach der letztjährigen Schau „verkannt, verschollen … unvergessen!“ zum dritten Mal an das im Jahr 2015 durch die Städtische Galerie Böblingen initiierte und von vornherein als fortlaufende Ausstellungsreihe konzipierte Forschungs- und Ausstellungsprojekt „Die Klasse der Damen – Künstlerinnen erobern sich die Moderne“ an und stellt mit der Neuauflage des seit der Ausstellungslaufzeit vergriffene Katalog einen vorläufigen Höhepunkt dar.

Erneut werden in der Ausstellung NETZWERKERINNEN DER MODERNE die noch steinigen Wege einzelner früher, bis heute zu Unrecht wenig bekannter Frauen nachgezeichnet, darunter die sich im 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg im patriarchalischen Kunstbetrieb behauptenden und allen Hindernissen zum Trotz nicht selten existenzsichernde Positionen erlangenden, heute dennoch mehrheitlich in den Hintergrund der Öffentlichkeit gedrängten Malerinnen Klara Fehrle-Menrad, Alice Haarburger, Emma Joos, Marie Lemmé, Hertha Rössle, Textilkünstlerin Hedwig Pfizenmayer, Bildhauerin Hanne Schorp-Pflumm, die „Grande Dame“ des Vereins Bildender Künstlerinnen Württembergs Mares Schultz, die „neuentdeckte“ und erstmals gezeigte Objekt- und Materialkünstlerin Dodo Stockmayer und die Mitbegründerin des Württembergischen Malerinnenvereins (1893) Sally Wiest.

In Porträts und Landschaftsdarstellungen, Blumen-Stillleben und Kinderbildnissen stellen die Künstlerinnen der Klassischen Moderne nicht nur ihr großes Talent zur Schau, sondern zugleich ihr Be- und Gefangensein in einer Motivwelt, die ihnen von ihren männlichen Kollegen richtiggehend „diktiert“ wurde.

Obwohl im Verlaufe der Zeit, hauptsächlich seit den 1970er-Jahren im Zuge der Emanzipationsbestrebungen, die Kunst von Frauen eine grundsätzliche Aufwertung erfuhr, haben neben einigen wenigen Positionen jüngst zwar späte, die Mehrheit unter ihnen jedoch immer noch viel zu zaghafte Wertschätzung erfahren. Denn es ist (erschreckender) Fakt, dass auch noch 100 Jahre später viele Werke der klassischen Künstlerinnen, falls diese nicht in den Wirren der Weltkriege zerstört oder schlichtweg als unwichtig empfunden und weggeworfen wurden, noch weitgehend unerforscht in Archiven und Depots lagern und damit heute noch weggesperrt von der Öffentlichkeit verwahrt sind.

Konzeption kreist um Tabuthemen Akt und Raum
Ein weiterer, wichtiger Schwerpunkt dieser Präsentation liegt im Gegensatz zu 2015 und 2018 klar auf den Gegenwartskünstlerinnen. Die zehn klassischen Positionen werden mit rund 30 zeitgenössischen Künstlerinnen in Bezug gebracht und innerhalb der Präsentation spannungsvoll gegenübergestellt, um die Kontinuität der Entwicklung der künstlerischen Frauenwege zu verdeutlichen. Gezeigt werden überwiegend speziell auf das Ausstellungsthema geschaffene Arbeiten mit Bezügen zu „Akt“ und/oder „Raum“, – ehemalige Tabuthemen für die früheren Künstlerinnen-Generationen, die jegliches Ausreißen aus dem ihnen auferlegten konventionellem Korsett verhindernde. Denn im beginnenden 20. Jahrhundert mussten sich die angehenden Künstlerinnen regelrecht die Chancengleichheit gegenüber ihren männlichen Kollegen „erkämpfen“, indem sie endlich Zugang zu eigenen Atelierräumen und zudem zu den für eine künstlerische Ausbildung so notwendigen Aktstudien erlangten.

Tabus zu brechen, das zeichnete sich schon im Vorfeld des Auswahlverfahrens ab, stellt noch immer ein wichtiges Anliegen der zeitgenössischen Künstlerinnen dar.
Ausgewählt von einer hochkarätigen Fachjury (bestehend aus der mit „Frauenkunst“ vertrauten Kulturredakteurin Adrienne Braun (Stuttgarter Zeitung), den Kunsthistorikerinnen Dr. Rita Täuber (Kuratorin Kunsthalle Heilbronn), Dr. Edith Neumann (Vizedirektorin Stadtpalais Stuttgart) und Dr. Carla Heussler sowie der Malereiprofessorin Cordula Güdemann( Akademie der Bildenden Künste Stuttgart) erarbeiteten sie für diese Kollektivausstellung ortsspezifische und ausstellungsbezogen Werke, die den heutigen Kunstbetrieb – sein Wertesystem, seine Ausstellungspraxis, Förderstrukturen sowie Geschlechterfragen – ausloten und reflektieren. Über überdimensionale Rauminstallationen, minimalistischen Zeichnung, Film und Video, Cut-outs, Collagen, Reliefs, Murals und Malerei sowie Bildhauerei, Performance- und Aktionskunst eröffnen die Künstlerinnen einen visuellen Dialog mit den Künstlerinnen von damals und schaffen einen Denkraum für Fragen, die damals wie heute virulent sind.

Die Ausstellung entsteht in enger Kooperation mit dem BBK / Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs (Gründung 1893) und der GEDOK / Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer e.V. (Gründung 1926), den beiden ersten, spezifisch auf „Frauenkunst-Förderung“ ausgerichteten und bis heute aktiven Vereinen in Stuttgart. Daher liegt der regionale Schwerpunkt auch hier.

Rahmenprogramm:

In Verbindung mit einem auf die Ausstellung abgestimmten Begleitprogramm und einem vielfältigen Vermittlungskonzept, das aus dialogischen Führungen, Vorträgen, Lesungen, Performance-Darbietungen sowie aus einem symposiumähnlichen Diskussionsforum, das in enger Abstimmung mit der Stuttgarter Kunstakademie in der Städtischen Galerie Böblingen unter dem Motto „The State of-Female-Art“ stattfinden wird, besteht, möchte die Städtische Galerie Böblingen die Kollektivausstellung NETZWERKERINNEN DER MODERNE - 100 Jahre Frauenkunststudium als Beitrag zu einem gesellschaftspolitischen Diskurs und als Anstoß für eine öffentlichkeitswirksame Reflexion verstanden wissen.

Teilnehmende Künstlerinnen:

Neben Hamburg im Norden und München im Süden sind hauptsächlich Teilnehmerinnen aus dem Stuttgarter Raum mit Arbeiten vertreten:

30 Gegenwartspositionen:

Rosemarie Beißer, Kirchheim/Teck
Christine Bender, Stuttgart
Nina Joanna Bergold, Ludwigsburg
Gabi Blum, München
Künstlerinnenkollektiv bestehend aus Monika Drach, Julia Wenz und Anne Römpp, Stuttgart
Andrea Eitel, Stuttgart
Iris Flexer, Stuttgart
Martina Frankenberger, Stuttgart
Anna Hafner, Stuttgart
Birgit Herzberg-Jochum, Stuttgart
Rotraud Hoffmann, Stuttgart
Anna Huxel, Bad Teinach
Cinyi Joh, Stuttgart
Friederike Just, Reutlingen
Karima Klasen, Stuttgart
Kirsten Kleie, Stuttgart
Min Klett, Stuttgart
„3 Hamburger Frauen“ (Ergül Lengiz – München / Henrieke Ribbe – Berlin / Kathrin Wolf – Hamburg)
Anja Luithle, Stuttgart
Muche, Stuttgart
Andrea Peter, Markgröningen
Gisela Reich, Stutgart
Vera Reschke, Böblingen
Yvonne Rudisch, Waiblingen
Eva Schmeckenbecher, Stuttgart
Julia Schrader, Ratingen
Helga Schuhmacher, Stuttgart
Alessia Schuth, Stuttgart
Christa Winter, Stuttgart
Johanna Wittwer, Stuttgart

10 Klassische Künstlerinnen:

Klara Fehrle-Menrad (1885-1955) - Ehefrau des Bildhauers Jakob Wilhelm Fehrle
Alice Haarburger (1891-1942)
Emma Joos (1882-1932)
Marie Lemmé (1880-1943)
Hedwig Pfizenmayer (1890-1967)
Hertha Rössle (1906-1991)
Hanne Schorp-Pflumm (1921-1990)
Mares Schultz (1920-1978)
Dodo Stockmayer (unbekannt)
Sally Wiest (1866-1952)

Zur Finissage im April 2020, entstehen zu dieser Ausstellungs-Trilogie insgesamt drei Kataloge, darunter die bereits erwähnte Neuauflage.

Lage & Kontakt

Städtische Galerie in der Zehntscheuer Böblingen
Pfarrgasse 2
71032 Böblingen

Veranstalter: Stadt Böblingen, Amt für Kultur / Veranstaltungen, Museen und Archiv

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