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Dasselbe, bloß anders: Wiederholung und Differenz im Loop

Datum:
19. Oktober 2018

Die Arbeit »Line-Follower (AT)« von Sebastian Schmieg, die während des Festivals »Drehmoment« der KulturRegion Stuttgart im Rathaus Leonberg zu sehen ist, aktualisiert eine Kritik an der Logik der tayloristischen Arbeitsorganisation, die durch die Digitalisierung von modernen Industriearbeitsplätzen eine neue Dringlichkeit erhalten hat. Indem er den Betrachter zwingt, den Bewegungen eines Industrieroboters bei einer durch Software-Steuerung optimierten Routine in einem endlosen Loop zu folgen, konfrontiert er ihn auch mit der Gleichförmigkeit und Eintönigkeit derartiger Tätigkeiten. Die Monotonie der Arbeit am Fließband und anderen Industriemaschinen ist in der Kunst der Moderne immer wieder thematisiert worden; die Szene in »Moderne Zeiten«, in der sich Charlie Chaplin bei der Fließband-Arbeit vergisst und schließlich buchstäblich von der Maschine verschlungen wird, ist eins der bekanntesten Bilder für das Grauen vor einer als übermächtig empfundenen Maschinenwelt, vor ihrem unmenschlich präzisen Funktionieren und vor ihrer Fähigkeit, mit vollkommener Indifferenz immer wieder die gleiche Aktion durchzuführen. Andererseits hat es in der Kunst der Postmoderne auch eine Reihe von Künstlern gegeben, die (maschinelle) Wiederholung als Auslöser der Produktion von Differenz und Variation und Ursprung von organischer Entwicklung betrachtet haben: die Wiederholung des Immergleichen in einem Loop muss also nicht notwendigerweise zu abstumpfender Routine führen. Der Vortrag wird eine Reihe von Arbeiten vorstellen, die diese Dialektik exemplifizieren und so die Arbeit von Sebastian Schmieg kontextualisieren.

Tilman Baumgärtel ist Professor für Medientheorie an der Hochschule Mainz. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Medienkunst sowie Netzkultur und -kunst, über die er seit Ende der 90er Jahre schreibt. Er hat verschiedene Filmreihen und Ausstellungen kuratiert, und ist derzeit Leiter eines Forschungsprojekts über die Medienkunstgruppe Van Gogh TV, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Er lebt in Berlin.

Publikationen (Auswahl): Vom Guerilla-Kino zum Essayfilm: Harun Farocki. Monographie eines deutschen Autorenfilmers, Berlin 1998; net.art. Materialien zur Netzkunst, Nürnberg 1999; Schleifen. Zur Geschichte und Ästhetik des Loops, Berlin 2015; Texte zur Theorie des Internets, Stuttgart 2017

Veranstaltungsort

Rathaus Leonberg, Sitzungssaal
Belforter Platz 1
71229 Leonberg

Telefon: 07152 990 1423

www.leonberg.de

Kontakt

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  • 19.10.2018 (19:00 Uhr)