Künzelsau

Der Schriftsteller Hermann Lenz traf sich bis in seine späten Lebensjahre mit Freunden in Künzelsau und Langenburg und unternahm ausgedehnte Wanderungen an Kocher, Jagst und Tauber. Der ihm gewidmete 17 Kilometer lange Wanderweg führt von Künzelsau nach Langenburg – poetischer Beistand inklusive.

Künzelsau - In „Bilder aus meinem Künzelsau. Sommer 1930“ hat der Dichter Hermann Lenz (1913 – 1998) das Kochertalstädtchen in „behaglichem Sommermittagsschlaf“ beschrieben. Es kann kein Freitag gewesen sein. Dann ist – zumindest heutzutage – Markttag in Künzelsau (Hohenlohekreis), und die halbe Stadt samt Touristen sind auf den Beinen. Also rasch die Strecke vom Bahnhof auf die Wertwiesen zurückgelegt, wo am neu eröffneten Kocherfreibad die Tour beginnt auf dem Hermann-Lenz-Weg von Künzelsau nach Langenburg. Der Wanderweg soll die Erinnerung wachhalten an den Dichter und Büchner-Preisträger, der bis zum Alter von 11 Jahren hier gelebt und bis in seine späten Lebensjahre mit Freunden Wanderungen an Kocher, Jagst und Tauber unternommen hat.

Im Gepäck die verlockende Werbung der Hohenlohe- und Schwäbisch Hall-Touristiker: „Ein Wanderweg für Natur- und Kulturliebhaber! (. . .) Der unterhaltsame Wanderweg ist mit dem typischen Lenz-Kopfprofil ausgeschildert und führt über 17 Kilometer von Künzelsau über Schloss Stetten nach Langenburg. Unterwegs wird der Wanderer von orts- und landschaftsbezogenen Zitaten aus den literarischen Werken von Hermann Lenz begleitet. Der Weg ist ausgeschildert.“

Ein Versprechen, das freilich immer wieder gebrochen wird. Das kleine Signet versteckt sich bisweilen hinter wucherndem Efeu, auf der Rückseite eines Laternenpfahls oder am Pfosten eines umgekippten Verkehrsschildes. Zum Glück hängt sich der Hermann-Lenz-Weg an bereits vorhandene Wanderstrecken an – anfangs ist es der Kochertalweg, dann der HW8 des Schwäbischen Albvereins, der Frankenweg –, die deutlicher gekennzeichnet sind. Der Flyer, der die Wegstrecke mit Fotos und Lenz-Zitaten skizziert, ist zudem vergriffen, kann jedoch im Internet heruntergeladen werden.

Die Mühen werden belohnt mit einem grandiosen Ausblick ins Kochertal

„Immer so tun, als ob nix wär“ lautet aber ein Lenz-Spruch, und dem wollen wir folgen. Auf der geteerten Wanderstrecke am Kocher entlang (220 Meter Höhe) geht’s nach Morsbach, das mit einer Wehrkirche aus dem 14. Jahrhundert mit aufgesetzter Fachwerkturmhaube aufwarten kann, mit viel mehr nicht. Also weiter, am unteren, Kleb genannten Steilhang entlang über den Rainlesbergweg und wieder hinunter ins Dorf Kocherstetten. Die Kelterstube am Ortseingang öffnet erst um 17 Uhr und nur dienstags bis sonntags. An dieser Stelle der Appell: Unbedingt Proviant mitnehmen, Einkaufs- oder Einkehrmöglichkeiten findet der Wanderer entlang der Strecke so gut wie nicht.

Der von prächtigen Bauerngärten gesäumte Heiligenbach in Kocherstetten plätschert abwärts in Richtung Kocher, wir blicken hinauf nach Schloss Stetten. Mächtig thront der Sitz der Freiherren von Stetten, eine der besterhaltenen Burgen aus der Stauferzeit, auf der Spornlage über dem Kochertal in 400 Meter Höhe. Der steile Aufstieg führt zunächst auf geteertem Grund, dann über einen teils verwilderten Schotterweg durch einen Buchenwald. Die Mühen des Aufstiegs werden belohnt mit einem grandiosen Ausblick vom Weinberg unterhalb der Burg hinab ins Kochertal. Immer wieder stoßen wir auf Tafeln, die den Dichter würdigen und seine Worte zitieren. Hier sind es diese: „In der Tasche hatte er einen Gedichtband, aus dem er gerne vorlas, etwa ,Oh Wälder weit, oh Höhen . . .‘ Das war dann wie der Ausblick von Schloß Stetten, wenn sich die Wälder dunstig dehnten.“ Schlossherr Wolfgang von Stetten persönlich weist an diesem Tag den Wanderern freundlich den Weg in Richtung Waldfriedhof der Seniorenresidenz.

Mit etwas Glück findet sich ein lauschiges Plätzchen

Der nun folgende Abschnitt zählt zu den wenig erbaulichen Teilen des Hermann-Lenz-Wegs. Über die fruchtbare Hohenloher Ebene mit ihren viele Hektar großen Getreidefeldern, auf bis zu 446 Metern Höhe, müssen die Wanderer die Strecke zwischen den parallel fließenden Schwesterflüssen Kocher und Jagst überwinden. Sie ist etwa fünf Kilometer lang und wenig spektakulär. Enttäuschend, weil ohne Aussicht auch der Abstieg durch dichten Wald hinunter nach Oberregenbach an der Jagst. Dort freilich versöhnt der Anblick der – trotz des Chemieunglücks unberührt scheinenden – Natur: „Das Jagsttal ist unverändert... und ich sehe dort wie ehemals Reiher, Milane, Bussarde, Sperber und alte Schwalbenarten fliegen“ (aus dem Briefwechsel mit Peter Handke). Über Oberregenbachs alte Steinbrücke, vorbei an der Königsmühle geht’s flussaufwärts. Mit etwas Glück findet sich an der Jagst Richtung Bächlingen ein lauschiges Plätzchen zum Picknick oder zum Bad. An der Kläranlage links abbiegend gelangen die Wanderer zuletzt durch dichten Wald hinauf nach Schloss und Städtchen Langenburg (440 Meter Höhe). Hier, am Ende des Hermann-Lenz-Wegs, bietet sich Gelegenheit zu Einkehr und Rast. Fazit: Trotz so mancher Widrigkeiten „au net schlecht“ (Hermann Lenz).

Besucherinfos

Der deutsche Schriftsteller Hermann Lenz
(1913 bis 1998) wuchs bis zu seinem elften Lebensjahr in Künzelsau auf. Bis in seine späten Lebensjahre traf er sich mit Freunden in Künzelsau und Langenburg. Er unternahm bei seinen Besuchen gerne ausgedehnte Wanderungen mit seiner Ehefrau Frau Johanna an Kocher, Jagst und Tauber.

Zum Gedenken an Hermann Lenz wurde der Hohenloher Hermann-Lenz-Weg ins Leben gerufen. Der Weg ist mit dem typischen Lenz-Kopfprofil ausgeschildert und führt über 17 Kilometer von Künzelsau über Schloss Stetten nach Langenburg. Lenz-Zitate begleiten die Wanderer. Festes Schuhwerk ist Voraussetzung. Für Kinderwagen ist die Strecke nur im Kochertal von Künzelsau bis Kocherstetten oder auf der Höhe Schloss Stetten bis Laßbach geeignet.

Die Anfahrt

Vom Hauptbahnhof mit dem RE (Mo – Fr alle 20 Min. / Sa&So alle 30 Min.) bis Heilbronn Hauptbahnhof. Dort dann auf den RE (Mo – So alle 60 Min.) umsteigen und bis Künzelsau Bahnhof fahren. Vom Bahnhof Künzelsau ist es ein siebenminütiger Fußweg zu den „Wertwiesen“ am Kocher. An der Informationstafel zum Wanderweg beginnt die Tour. Für die Rückfahrt (Dauer: 2:17 Minuten) von Langenburg aus – am Beispiel Sonntag – muss man um 16.36 Uhr spätestens den Rufbus R64 bestellen, der dann zum Zentralen Omnibusbahnhof in Crailsheim fährt. Von dort sind es noch sieben Geh-Minuten zum Hauptbahnhof, wo man den IC nach Stuttgart nehmen kann.

In den Sommerferien gilt das VVS-Abo in ganz Baden-Württemberg.

Tarif-Hinweis: Bis Künzelsau benötigen Sie ein Ticket des bwtarifs.

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