Gerlinger Schillerhöhe

Genuss oder sportliche Höchstleistung? Beides ist auf einer Radtour in den Wäldern rund um die Schillerhöhe möglich. Wer von Gerlingen aus startet, sollte ordentlich Puste haben – oder das passende Fahrrad.

Gerlingen - Mit dem Fahrradfahren ist es ja so eine Sache. Manchen ist der Drahtesel einfach zu bockig, deshalb besteigen sie ihn erst gar nicht. Dann gibt es Radler, denen können die Oberschenkel gar nicht arg genug brennen – für sie ist es ein Genuss, wenn das Lactat in die Muskeln schießt. Wieder andere brauchen das nicht, sie treten vor allem deshalb in die Pedale, weil sie irgendwo ankommen wollen. Oben auf einer Anhöhe kann ein grandioser Ausblick warten, oder ein kaltes Getränk auf einem Biertisch. Das ist für sie der genüssliche Teil der Radtour. Rund um Gerlingen (Kreis Ludwigsburg) sind beide Spezies zu finden: die, die kommen, um vor allem zu genießen, und die, die sich quälen wollen.

Die Routen und die Einkehrmöglichkeiten geben es her. Wer mit der Stadtbahnlinie U 6 nach Gerlingen fährt, kann erst einmal bequem durch die Gerlinger Siedlung gondeln. Vor einem Einfamilienhaus sitzt ein Mittvierziger in kompletter Montur, er ist gerade von einer Tour mit dem Rennrad zurückgekehrt. „Bergauf“, sagt er, „geht’s mit dem E-Bike aber besser.“ Und breitere Reifen sollte das Rad auch haben. Am Ortsausgang ist der Feldweg noch befestigt, schnell wird es aber holpriger – und vor allem steiler. Am Biergarten am alten Minigolfplatz gibt es die erste Möglichkeit einzukehren, allzu viel im Bauch sollte man aber nicht haben. Denn anschließend braucht es Puste, um die zwölf Prozent Steigung zu bezwingen.

150 Höhenmeter bis zum ersten Aussichtspunkt

Im Schatten der Bäume am Waldrand quält sich ein Mountainbiker. Am Wasserbehälter hält er an und gönnt sich einen großen Schluck aus seiner Trinkflasche. Weil er einen Mountainbiketrail gefahren ist – auch das geht rund um Gerlingen –, sei er heute nicht mit dem elektrisierten Fahrrad unterwegs, sagt der Familienvater. „Warum ich mir das angetan habe, weiß ich auch nicht“, sagt er und lacht, obwohl er immer noch außer Atem ist.

Einen langen Atem braucht es auch auf dem kurvigen Weg hinauf zum Löwen-Ausblick – mit dem Pedelec geht es aber gut. Am Gerlinger Tor knickt der Weg scharf nach rechts ab, es geht ein kurzes Stück bergab, dann wird der Radler für die Mühen – immerhin geht es vom Ausgangspunkt in der Gerlinger Ortsmitte 150 Höhenmeter nach oben – belohnt. Neben der 1953 errichteten Löwen-Skulptur von Fritz von Graevenitz bietet sich eine grandiose Aussicht. Vom Schlossberg kann man von hier aus 2000 Quadratkilometer überblicken, bei klarem Wetter zeichnen sich in Richtung Norden Stromberg, Heuchelberg und die Löwensteiner Berge ab, und wenn es ganz klar ist, sieht man den Katzenbuckel im Odenwald – der ist immerhin 75 Kilometer entfernt.

Wer genug gesehen hat, und nur eine kleine Tour machen möchte, kreuzt die Panoramastraße, fährt über den Finkenweg, vorbei am Restaurant Schillerhöhe, und folgt dem Missenharterweg zurück nach Gerlingen. Besonders im Sommer kann man im Forchen- und Bannwald aber hervorragend Rad fahren – und ganz so steil geht es hier auch nicht mehr zu. Die Routen – zum Beispiel mit den Zielen Naturfreundehaus im Krummbachtal oder dem Rappenhof – erreicht man über die Waldsiedlung. Wer beide Ziele ansteuert, kann am Waldspielplatz zwischen Birkenhauweg und Rappenhofweg rasten. Die Radrouten sind gut ausgeschildert, wer sich dennoch verfranzt, den wird das wenig ärgern. Zu schön sind die Routen, Mitten im Wald lässt es sich dort auch bei weit über 25 Grad gut aushalten.

Weinbesen lädt zum Verweilen ein

Belastend ist hingegen der Weg zurück nach Gerlingen – vor allem für die Fahrradbremsen. Über die Talstraße mit ihren 15 Prozent Steigung erreicht man die Ortsmitte in Windeseile. In Gerlingen laden mehrere Weinbesen – und in normalen Jahren auch Weinfeste – zu einer Einkehr ein. Michael Volz’ Weinlaube im Brückle ist auch über den Sommer geöffnet. „Zu uns kommen viele Radler“, sagt der Bioweinbauer. Dass die manchmal ein bisschen verschwitzt sind, wundert ihn nicht. Zumindest nicht, wenn sie davor auf der Schillerhöhe waren.

Räder und Weinbesen

Leihräder

Das Fahrrad-Verleihsystem RegioRad Stuttgart bietet für kurze und mittlere Strecken eine bequeme Möglichkeit, um von A nach B zu kommen und noch bequemer ans Ziel zu kommen. Besitzer einer Polygo-Card können Räder direkt ausleihen, für sie sind die ersten 30 Minuten jeder Fahrt auch kostenlos. In Stuttgart und Umgebung gibt es 1400 Regio-Räder und 450 Pedelecs. Weitere Informationen gibt es im Netz unter: www.mypolygo.de/partner/bikesharing/regioradstuttgart. In Gerlingen können Radfahrer Pedelecs an drei Stationen ausleihen. Die Räder stehen im Wiesengässle (Standort-Nummer 79003), an der Ecke Breitwiesen/Breitwiesenstraße (79002) und an der Ecke Panoramastraße/Solitudestraße (79001).

Weinbesen

Die Weinlaube, im Brückle 3, ist bis zum 23. August geöffnet. Mehr Informationen zum Besen und zum Speisen- und Getränkeangebot gibt es im Internet unter der Adresse: www.imbrueckle.de. Angebote anderer Weinbauern aus Gerlingen finden erst wieder im Herbst statt.

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