Leonberg

Der Rappenberg in Leonberg ist von Geschichten gesäumt – etwa der von Claire Heliot, der berühmten Dompteurin. Man kann ansonsten gemütlich hinaufspazieren und verweilen oder stramm weiterwandern und einkehren.

Leonberg - Wer sich den Leonberger Rappenberg als Ziel vornimmt, hat maximale Freiheit. Man kann die große Runde nehmen, die kleine oder noch kleinere – mit und ohne Einkehr. Welchen Weg man immer auch wählt, man sollte ihn am Rappenhof beginnen. Er gleicht einer Pforte in die freie Natur. Der Hof ist in dritter Generation eine Pferdepension. Die Landwirtschaft sei auf den kargen Böden wenig ertragreich gewesen, bereits ihre Vorfahren hätten sie nach und nach zugunsten der Pferde aufgegeben, erzählt Andrea Knauer. In wohlhabenden Stuttgarter Kreisen sei in den 1930er Jahren in Mode gekommen, sich ein Pferd zu halten, das man freilich außerhalb geparkt habe. Die schöne alte Reithalle links des Wegs stammt noch aus jenen Jahren.

Eine Pferdepension ist kein Ponyhof

Inzwischen ist viel dazugekommen, und die Pferde werden längst nicht mehr in Boxen gehalten, sondern laufen in der Bewegungshalle frei herum. Ein Reiche-Leute-Hobby sei ein Pferd nicht mehr, sagt Andrea Knauer. Aber um die 500 Euro im Monat koste es doch, sein Pferd wohnen, füttern und bewegen zu lassen. 50 bis 60 vierbeinige Pensionsgäste betreut Andrea Knauer mit ihrem Mann, einem Angestellten und einer Aushilfe.

Dass die Spaziergänger durch ihren Hof latschen, stört die 39-jährige Pferdewirtschaftsmeisterin ganz und gar nicht. Streicheln und Füttern sei allerdings höchst unerwünscht. „Ein Pferd kann auch mal beißen, und die Pferdebesitzer haben ihre eigenen Vorstellungen davon, was ihr Tier fressen soll.“ Auch braucht man nicht nach Reitkursen und sonstigen Angeboten zu fragen: „Das ist hier eben kein Ponyhof.“ Aber es gibt auch genug zum Gucken – die Tiere auf der Koppel und im Training oder der kleine von Pappeln gesäumte Weiher am Rande des Hofs, den Reiher, Milane und manchmal sogar Falken beehren. Bergan geht es weiter, und auf dem Weg zum Gipfele mit Panoramablick lässt sich noch rasch die Geschichte von Claire, der Dompteurin, erzählen.

Reiher, Milane und Falken

Sie war eine Vorbesitzerin des Rappenhofs, betrieb von 1907 bis 1910 Landwirtschaft und züchtete Pferde. Der breiten Öffentlichkeit war sie seinerzeit allerdings nicht ob dieses beruflichen Interims bekannt, sondern von den Sammelbildchen in den Zigarettenschachteln. Claire Heliot, mit bürgerlichem Namen Clara Pleßke, war um die Wende zum 20. Jahrhundert eine weltberühmte Tierbändigerin und Dompteurin gewesen. Ihr besonderes Talent hatte sie als Tierpflegerin im Leipziger Zoo entdeckt und kultiviert. In den 1890er Jahren trat sie im Stuttgarter Tiergarten Nill auf. Später tourte die ebenso tollkühne wie charmante Artistin durch Europa, Russland und die USA. Der Höhepunkt ihrer Show am Schluss war, dass sie einen 150 Kilo schweren Löwen auf ihren Schultern aus der Manege trug.

Biss bereitet jähes Ende

Ein Unfall beendete die ungewöhnliche Frauenkarriere: Während einer Vorstellung in Kopenhagen durchbiss ihr ein Löwe die Hüfte. Sie zog sich zurück und kaufte den Rappenhof, verkaufte ihn nach wenigen Jahren gewinnbringend wieder und zog in den Stuttgarter Süden. Zuletzt lebte sie im Altenheim Hasenberg. Claire Heliot starb 1953.

Oben am Rappenberg angelangt, lässt es sich gut auf einem der Bänkle verschnaufen. Es eröffnet sich ein weiter Blick hinunter ins Glemstal, das links und rechts Weinberge säumt, weiter nach Eltingen und Leonberg.

Von hier aus lässt sich noch eine schöne Runde durch den Wald drehen – nach Hinter-Ehrenberg, zum Studentenbäumle oder zum Forchenwald –, alles ist gut ausgeschildert. Oder man nimmt die größere Runde zur Waldsiedlung und anschließend hinab ins Krumbachtal, wo man sich im Naturfreundehaus Krumbachtal bei einer Einkehr schwäbisch-griechisch stärken kann.

Besucherinfo

Die Heidefläche am Rappenberg ist ein Naturdenkmal, ein natürlich entstandenes Landschaftselement also, das unter Naturschutz steht. Sie umfasst etwa drei Hektar und liegt auf Gemarkung Leonberg. Die Heide ist ein wegen seiner nährstoffarmen und sauren Böden wirtschaftlich nicht nutzbarer Landschaftstyp, im Grunde eine Art Wildnis, die von Sträuchern mit immergrünem, hartem Laub wie etwa dem Wacholder geprägt ist. Das namensgebende Heidekraut blüht von Spätsommer bis Herbst violett und war übrigens 2019 die Pflanze des Jahres. (textende)

Das Waldgasthaus Krumbachtal, Krummbachtalstraße 3, Gerlingen, bietet Biergarten und Spielplatz. Geöffnet ist es von Dienstag bis Donnerstag von 16 bis 22.30 Uhr, Freitag von 16 bis 23 Uhr, Samstag von 12 bis 23 Uhr, Sonntag von 12 bis 21 Uhr.

Anfahrt

Vom Hauptbahnhof fährt man mit der S 1/2/3, die von Montag bis Sonntag alle fünf Minuten verkehrt, bis zur Haltestelle Universität. Dort steigt man um auf die Buslinie 92, sie fährt von Montag bis Sonntag nur stündlich. An der Haltestelle Leonberg Schumisberg steigt man aus und nimmt den kurzen Fußweg zum Rappenhof.

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