Ludwigsburg

Ausflug mit einem Neckarguide: von den Zugwiesen hinauf in die imposanten Steillagen am Ufer bei Ludwigsburg – so ein Trip ist mindestens so schön wie ein Sommertag in der Toscana oder in Südfrankreich.

Ludwigsburg - Dieser Tag ist wie gemacht für diesen kleinen Ausflug mit dem Fahrrad. Die Sonne strahlt über den Zugwiesen am Neckarufer in Ludwigsburg. Es ist Nachmittag. Es ist heiß. Und es wird ganz bestimmt noch viel heißer. Dürfte also schweißtreibend werden der Besuch der Steillagen, wo hoch über dem Neckartal seit Jahrhunderten guter Wein wächst. Uli Ostarhild kennt die Gegend wie seine sprichwörtliche Westentasche. Ostarhild ist Neckarguide und Mitveranstalter der Reihe Neckar Open, bei der Menschen auftreten, die eine ganz besondere Beziehung zu dem Fluss haben.

Der Mann kennt die meisten Wengertern, die in den Steillagen arbeiten. Er kennt fast alle Neckarfreuden: die Neckarpaddler und die Flussschwimmer, die Ornithologen, die sich in aller Herrgottsfrühe mit ihren Kameras am Ufer auf die Lauer legen. Und die Naturschützer, die die Fische im Neckar zählen, auch.

Seeadler, Eisvögel und 40 Libellenarten

Start der kleinen Runde, die man freilich auch per pedes absolvieren könnte, beim Zugwiesenturm: Ostarhild hat die Tour „Das magische Dreieck“ getauft. Vom Turm geht es zunächst am Fluss entlang, dann hoch bis zur Bergstirne, später wieder hinunter zum Neckar und dann zur Einkehr entweder in die Alte Krone in Hoheneck oder in das Restaurant Genuss im Grünen beim Freibad.

Der Neckarguide erzählt unterwegs von anno dazumal, vom Neckar ohne Staustufen und von gefährlichen Strudeln im Wasser, in denen waghalsige Schwimmer einst ertrunken seien. Er berichtet vom Anlegen des Schutzgebiets Zugwiesen: Die Seen am Neckar sind im Jahr 2012 geflutet worden. Auf dem Gelände hätten sich mittlerweile rund 140 Vogelarten angesiedelt. Sogar Seeadler seien schon mal gesichtet worden. Eisvögel brühten auf den Inseln im Neckarseitenarm. 2011 lebten in den Zugwiesen lediglich sechs Libellenarten, heute bis zu 42, sagt der Fachmann.

Ein Kleinod mitten in einem Wäldchen

Hoch über dem Neckar thronen imposante Häuser mit großen Glasfassaden. Und unten im Tal erzählt der Themenweg Neckar viele Geschichten. Auf einer der Tafeln ist zum Beispiel nachzulesen, wie der Flusslauf von den Menschen geändert wurde und wie der Neckar auf diese Weise schiffbar gemacht worden ist.

In Ludwigsburg-Neckarweihingen biegen wir ein in den Grüß-Gott-Weg, der durch ein Wäldchen führt. Stopp bei einem wahren Kleinod – ohne den Neckarguide würde man vermutlich achtlos vorbei fahren an dem verwunschenen alten Steinbruch und der eingestürzten steinernen Hütte, aus der ein mächtiger Baum wächst. Bei Regen, erzählt Ostarhild, seien hier Feuersalamander zu sehen. In der eingestürzten Hütte leben Fledermäuse. Ein paar Schritte weiter öffnet sich der Wald. Die Ausflügler stehen mitten in den Steillagen. Was für ein grandioser Ausblick.

Wengerter im Steilhang braucht kein Fitnessstudio

Das Neckartal und die Steillagen liegen uns zu Füßen. Die Arbeit der Wengerter in diesen verrückt steilen Weinbergen ist ganz bestimmt viel härter als die kleine Radtour hier hinauf, denn während der Weinlese müssen alle Trauben in Zubern rund 400 steilen Treppenstufen hinunter getragen werden. Das geht an die Substanz. Ein Muskelkater am Abend dürfte garantiert sein. Wer so einen Wengert im Steilhang bewirtschaftet, braucht kein Fitnessstudio.

Von oben sind auf Anhieb die imposante evangelische Kirche am Ludwigsburger Marktplatz, das Marstallcenter und das Kreiskrankenhaus zu erkennen. Auf dem Neckar schippert ein mächtiger Lastkahn vorbei. Aus der Vogelperspektive vergisst man leicht: Der Fluss ist eine viel befahrene Bundeswasserstraße. Die Autos auf der Bundesstraße gleich neben dem Fluss sehen aus wie winzig kleine Spielzeugmodelle, und sie erzeugen ein leises, permanentes Rauschen.

Es ist drückend heiß. Insekten summen. Und der Uli – wir sind längst per Du – holt ein kühles Bier aus seinem Rucksack. Prosit. Urlaub daheim, wie schön in diesen merkwürdigen Corona-Tagen. Toller kann es an der Mosel ganz bestimmt auch nicht sein. Selbst die Toscana oder Südfrankreich haben nicht mehr zu bieten – solche Gedanken sind im Kopf.

Am, im und auf dem Neckar

Neckarguides
Die Natur- und Landschaftsführer sind von der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg ausgebildet worden. Sie führen die Menschen an schöne, interessante Stellen am Fluss.

Sport
Den Fluss kann man per pedes oder auf dem Neckartalradweg erkunden, aber auch auf dem Fluss (in Kanus oder auf einem Ausflugsschiff) – und sogar schwimmend. Zurzeit sind mehr Menschen als vor Corona im Neckar. Die Behörden raten vom Schwimmen wegen großer Gefahren strikt ab – wie bei den meisten Flüssen in der Region –, an bestimmten Stellen ist es sogar verboten.

Die Anfahrt

Vom Hauptbahnhof Stuttgart fahren die S 4, die S 5, der RE 8, der RE 10, die RB 17 und die RB 18 alle zehn Minuten bis zum Bahnhof Ludwigsburg. Vom Omnibusbahnhof in Ludwigsburg aus geht es weiter mit dem Bus 421 oder dem Bus 430 bis zur Haltestelle Neckarbrücke. Dort beginnt ein etwa eineinhalb Kilometer langer Spaziergang zu den Zugwiesen.

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