Radel-Thon rund um Stuttgart

Stuttgart auf dem 83 Kilometer langen Radel-Thon zu umrunden, ist eine feine Sache für die ganze Familie, weil man unterwegs aussteigen kann. Wenn jetzt noch die Beschilderung erneuert würde, wär’s auch eine runde Sache.

Stuttgart - Es ist schon einige Lenze her, als das Radeln hierzulande noch der Starthilfe bedurfte und kein Mensch an die Erfindung des E-Bikes gedacht hat. Da schwangen sich jedes Frühjahr radfahrerische Vorfahren dieser Stadt auf ein merkwürdiges vierrädriges Gefährt, das eher einem Lastkarren als einem Velo glich und läuteten mit Lobesreden, Presseauftrieb und Geklingel die neue Radsaison ein. Dabei vergaßen sie auch nie, die schönste Radstrecke der Stadt zu lobpreisen, den 83 Kilometer langen Radel-Thon. Es gab sogar eine Zeit, da ließ eine Krankenkasse an einem Tag Geld für das Befahren dieser Strecke springen, um damit soziale Projekte zu fördert. Das alles wirkt wie Lichtjahre entfernt.

Der Hinweis auf die Karte ist nicht schlecht

Wenn es ruhiger geworden ist um besagten Radel-Thon, der auf 83 Kilometern den Stuttgarter Kessel umrundet, dann liegt das nicht daran, dass er seinen Reiz verloren hätte – sondern eher daran, dass man ihn kaum noch findet. Wobei, finden tut man ihn zur Not schon noch, aber mit dem Befahren ist das so eine Sache. Die Beschilderung ist, freundlich gesprochen, hundsmiserabel. Nicht erst seit gestern.

Das hat sich wohl herumgesprochen, so dass sich die Stadt Stuttgart auf ihrer Homepage genötigt sieht, zu erwähnen, dass die Streckenbeschilderung „derzeit an einigen Stellen unzureichend“ sei und den Pedaleuren die Radel-Thon-Karte für fünf Euro ans Herz legt. „An einigen Stellen unzureichend“ ist in etwa so zutreffend wie die Feststellung, die Tour de France sei für Hobbyradler zu anstrengend.

83 Kilometer sind kein Pappenstiel

Gleichwohl ist der Hinweis auf die Karte nicht schlecht, denn dort ist nicht nur die Strecke verzeichnet, die der inzwischen verstorbene ehemaligen Radprofi und deutschen Meister Reinhold Steinhilb dereinst konzipierte, sondern auch die nahen Stadtbahn- und S-Bahn-Haltestellen. Diese Besonderheit unterscheidet den Radel-Thon von den meisten Rundstrecken, schließlich sind 83 Kilometer und 858 Höhenmeter kein Pappenstiel. Wer sich auf einen Rundkurs begibt, sollte sich vorher überlegen, ob er die Strecke auch packt. Beim Radel-Thon kann man sich das sparen, denn er bietet zig Stellen zum Aus- und Umsteigen, so dass man ihn auch für Familien und nicht langstreckentaugliche Radler empfehlen kann.

Bestens geeignet, um das andere Stuttgart zu entdecken

Wenn Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, warum sollte man Stuttgart an einem Tag umradeln? Anmerkung in eigener Sache: Gut, wenn man bei einem Speichenbruch in Sillenbuch auf die Stadtbahn U 8 umsteigen kann. Der Radel-Thon ist zudem bestens geeignet, um das etwas andere Stuttgart zu entdecken, abseits von Schlossplatz, Wilhelma, Fernsehturm und Halbhöhenlagen. Und um Eingeborene, die behaupten, jeden Flecken der Landeshauptstadt zu kennen, vom Gegenteil zu überzeugen.

Schon mal das schöne Lindental bei Weilimdorf zum Rotwildpark hochgeradelt? Oder den Stuttgarter Hafen per Zweirad passiert? Der Radel-Thon zeigt Stuttgart von seiner ländlichen, seiner bewaldeten oder im Neckartal zwischen Hedelfingen und Untertürkheim von seiner industriellen Seite. Wer dennoch unterwegs einen Höhepunkt wie das Schloss Solitude ansteuern möchte, kann dies problemlos tun, indem er leicht von der Route abweicht.

Historisches Kopfsteinpflaster zur Rohrer Höhe

Man rollt kilometerweit durch Wälder, vorbei an Seen, über Felder, vorbei an noblen und weniger noblen Vierteln – kurzum, der Radel-Thon hat alles, was Radfahrer zu schätzen wissen: Abwechslung – und zumeist Wege, die man sich nicht mit Autos teilen muss. Der Untergrund ist auch bei Regen befahrbar, nur Rennradler mit sehr schmalen Reifen werden nicht froh. Zwischen der US-Kaserne Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen und der Rohrer Höhe holpert man über historisches Kopfsteinpflaster, das Mitte der 1930er Jahre für Wehrmachtspanzer verlegt wurde.

Frohe Botschaft aus dem Sportamt

Jeder hat da so seine Lieblingsstrecke. Lena Knorr vom Sportamt etwa schätzt die Abfahrt von Sillenbuch nach Rohracker, auf der man am Tiefenbachsee vorbeikommt. „Das ist wirklich ein Traum“, sagt sie. Gleichwohl weiß sie, dass die Wegführung alles andere als traumhaft ist und mit der Neubeschilderung im Neckartal erst ein Stück Weg zurückgelegt wurde. Wer mit Lena Korn spricht, hört einiges über Habitate, Landschaftschutz und Arbeitsgruppen, die unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen sollen. Und dennoch hat sie eine frohe Botschaft zu verkünden: „Im Laufe des Jahres oder spätestens Anfang des nächsten Jahres müsste die komplette neue Beschilderung stehen.“ Dass sie dabei im Konjunktiv spricht, hat wohl nichts mit Pessimismus zu tun, eher mit jahrelanger Erfahrung.

Sollte das mit der Beschilderung doch noch klappen, unterschreiben wir folgenden Satz auf der städtischen Homepage: „Der Radel-Thon ist ein absolutes Highlight unter den Stuttgarter Radwegen.“

Besucherinfos

Der Radel-Thon ist eine 83 Kilometern lange Strecke, die um den Stuttgarter Talkessel herumführt. Konzipiert wurde er vom 2005 verstorbenen ehemaligen Radprofi und deutschen Meister Reinhold Steinhilb. Die Strecke ist auch in kleineren Etappen befahrbar und in beiden Richtungen beschildert, allerdings derzeit noch schlecht.

Deshalb wird empfohlen, sich eine Radel-Thon-Karte für fünf Euro zu besorgen. Diese gibt es beim Sportamt (Mail: sportinfo@stuttgart.de) oder an der Infothek im Rathaus-Foyer sowie beim Kundenzentrum vom Stadtmessungsamt, Kronenstraße 20.

Die GPS-Daten zur Strecke kann man sich vom Radroutenplaner der Stadt herunterladen.

So geht es rund: Steigt man in Bad Cannstatt ein und fährt die Strecke entgegen dem Uhrzeigersinn, kommt man am Neckar nach Münster und Mühlhausen, dem tiefsten Punkt der Strecke. Weiter geht es über Zazenhausen hinauf nach Stammheim und über Neuwirtshaus und Korntal nach Weilimdorf. Von Weilimdorf fährt man durchs Lindental hinauf und anschließend durch den Rot- und Schwarzwildpark und am Neuen See vorbei zum Katzenbacher Hof. Von dort aus über die Rohrer Höhe nach Möhringen und über Fasanenhof ins Körschtal hinab. Weiter über Steckfeld und Asemwald nach Birkach. Durchs Ramsbachtal und Schönberg geht es hinauf nach Sillenbuch und anschließend folgt eine Abfahrt hinab nach Rohracker und Hedelfingen. Ab Hedelfingen fahren wir wieder im Neckartal. Es geht durch Obertürkheim und Untertürkheim, vorbei am Cannstatter Wasen, zum Ausgangspunkt der Tour.

Die Anfahrt

Wer einige Höhenmeter hinter sich gebracht haben will, der fährt vom Hauptbahnhof mit der Stadtbahnlinie U 7 (Mo bis So alle 10 Min.) zur Haltestelle Silberwald in Sillenbuch. Man startet an der Haltestelle und folgt der Kirchheimer Straße abwärts, bis links die Corneliusstraße abzweigt. Von hier ab ist der Radel-Thon beschildert.

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