Nürtingen

Eine Radtour mit Bildungsanspruch führt von Nürtingen über die Weiler Hütte wieder zurück zum Ausgangspunkt. Bei der Runde stellen sich herrliche Landschaftseindrücke und spannende Begegnungen ein.

Aichtal - Die Inschrift wirkt fast aktuell: „Erbaut in Deutschlands schwerster Zeit“ steht über dem Eingang der Weiherbachgrundschule in Grötzingen. Doch die Jahreszahlen daneben weisen natürlich auf den Ersten Weltkrieg und nicht auf die gegenwärtige Pandemie hin. „1920 wurde die Schule eingeweiht“, sagt Günter Klock. „Alles war für das 100-Jahr-Jubiläum jetzt vorbereitet. Doch Corona hat uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.“ Klock, der an diesem Morgen in der Sonne vor der Bildungsstätte steht, ist nicht nur „Stadtführer, Museumsleiter und ehrenamtlicher Beauftragter des Landesdenkmalamts für das Aichtal“, wie er selbst sagt. Nein, der Rentner erweist sich auch als spannender Gesprächspartner und als wandelndes Lexikon zu Fragen der Ortsgeschichte.

Die Gelegenheit, ihm zu begegnen, haben alle, die den in Nürtingen beginnenden Museumsradweg nehmen und die körperliche Ertüchtigung mit ein wenig Bildung verbinden wollen. Das Schulmuseum in der Grötzinger Grundschule liegt auf der Route nach den ersten rund sieben Kilometern. Allerdings funktioniert die Visite nur mit Anmeldung: „Wenn ich nicht da bin, kommt keiner rein“, sagt Klock. „Ich bin aber immer da.“ Der 84-Jährige gehört quasi zum Inventar. Schon als Drittklässler hat er hier die Schulbank gedrückt, später selbst Sport und Technik unterrichtet, und nun belehrt er eben ­Besuchergruppen im Ein-Raum-Museum.

Früher durften die Lehrer die Kinder noch schlagen

Das ist schlicht ein Klassenzimmer von früher, wo Klock mit Feuereifer loslegt. Er erklärt die Sütterlinschrift, das Züchtigungsrecht damaliger Pädagogen oder die Kleiderordnung für Lehrer: „Als ich 1970 angefangen habe, waren noch Hemd und Krawatte vorgeschrieben.“ So gibt der Hobbyhistoriker viele spannende Erkenntnisse preis. Klock erzählt von den 10 000 Fundstücken aus der Jungsteinzeit, die er an der Aich ausgegraben hat, oder von den 27 Broschüren, die er schon über die Gegend geschrieben hat. Und natürlich schleppt er Interessierte auch ins nahe Heimatmuseum. Doch Gäste mit dem Drahtesel kommen darob leicht ins Schwitzen. Schließlich sind noch einige Abschnitte der Tour zu bewältigen. So heißt es rechtzeitig, Klocks Eifer sanft auszubremsen und die anderen Museen auf dem Weg links liegen zu lassen. Doch das fällt leicht, denn die allseits bekannten Museen in Waldenbuch (Museum der Alltagskultur/ Ritter Sport) haben viele Pedalritter wohl früher schon erkundet.

Damit kurbelt es sich ohne schlechtes Gewissen locker bis zum Rohrwiesensee. Der lädt mit seinen Bänken zur Rast ein. Auch ein Seniorenpaar macht an diesem Werktag dort Pause. „Für uns ist ja immer Wochenende“, sagt der Rentner freudestrahlend. „Wir fahren nur eine kleine Runde und schauen mal, wie weit wir kommen.“ Hier steht zudem ein Kunstwerk, das zur kilometerlangen Freiluftgalerie Sculptoura gehört. Weiter geht es oft über geschotterte Waldwege durch das Faulbachtal und dann hoch zum Golfplatz von Weil im Schönbuch.

Zum Abschluss eine fette Steigung und ein toller Ausblick

Auch dort kann man etwas lernen – beispielsweise auf dem Obstbaumlehrpfad, den der Golfclub im Rahmen einer Nachhaltigkeitsinitiative 2014 angelegt hat. Wenig später liegt an der Weiler Hütte, die mit ihrem weitläufigen Biergarten eine Versuchung darstellt, der höchste Punkt der Tour schon hinter dem Radler.

Von jetzt an geht es lange Zeit fast nur abwärts durch den schön schattigen Schönbuch an einigen kleinen Seen im Schaichtal vorbei. Das dicke Ende freilich kommt zum Schluss. Eine 18-prozentige Steigung auf der Alten Poststraße in Grötzingen will noch bezwungen werden. Zum Trost für die Mühe winken vor Nürtingen noch einige Kilometer mit grandiosem Blick auf den Albtrauf.

Besucherinfos

Der besonders an Wochenenden stark befahrene Museumsradweg führt über das Würm- und Aich- ins Neckartal von Weil der Stadt nach Nürtingen an zahlreichen heimatkundlichen Museen vorbei. An der Strecke ist auch viel Kunst zu bewundern. Der Weg ist 52 Kilometer lang und kann natürlich auch in Etappen gemeistert ­werden.

Die hier beschriebene Route läuft nur zum Teil über den Museumsradweg. Hinter Waldenbuch wechselt man auf Radwege mit den Bezeichnungen: E-Bike-Region Stuttgart, Energie-Radtour und Hohenzollern-Radweg. Da es keine durchgehende Beschilderung gibt, verliert man leicht die Orientierung. Karte und/oder eine elektronische Navigation sind folglich empfehlenswert. Für die insgesamt rund 60 Kilometer sollte genügend Zeit eingeplant werden.

Die Anfahrt

Vom Hauptbahnhof fahren Sie mit dem RE 10/RB 18 (Mo–Fr in der Regel alle 30 Min./Sa & So in der Regel alle 60 Min./Fahrradmitnahme erlaubt) nach Nürtingen Bahnhof. Den Museumsradweg können Sie direkt vom Stadtmuseum Nürtingen, Wörthstraße 1, in Richtung Grötzingen starten. Das Stadtmuseum hat Di, Mi, Sa nachmittags geöffnet, So von 11 Uhr an.

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