Talaue in Waiblingen

In der Talaue in Waiblingen kann man sich mit vier schottischen Hochlandrindern anfreunden. Doch in dem Landschaftspark ist noch viel mehr möglich: Sport, Entspannung – oder einfach nur andere Menschen und Tiere beobachten.

Waiblingen - Suchen muss man sie nicht. Es reicht, einfach den kräftigen Muh-Rufen zu folgen, dann steht man schon vor ihnen: Lisa, Leni, Jule und Mia. Das sind vier schottische Hochlandrinder mitten in Waiblingen. Lisa, mit ihren 19 Jahren die Älteste in der Runde, ist an diesem Morgen etwas widerspenstig. Sie und ihre drei Artgenossinnen sollen die Weide wechseln, weil sie das Gras auf der einen Wiese fast vollständig aufgefressen haben. Doch für diesen Umzug muss Lisa nicht nur einmal den Spazierweg in dem Landschaftspark Talaue queren, sondern auch noch einen Bachlauf überwinden, welcher gerade einer Schlammgrube ähnelt. Obwohl ihr drei Männer gut zureden, sie tätscheln und mit trockenem Brot anlocken, dreht sie immer wieder kurz vor dem Bachlauf um.

Manche schauen täglich bei den Rindern vorbei

Ob sie Angst habe? Vielleicht auch einfach keine Lust, meint Björn Thoröe. Der Agraringenieur kümmert sich seit fünf Jahren um die schottischen Tiere in der Talaue. Eigentlich hat der 46-Jährige einen Hof für Pensionspferde in Remshalden. Doch weil er bereits in der Vergangenheit mehrere größere Flächen für die Stadt Waiblingen bewirtschaftet hatte, wurde er von der Stadt gefragt, ob er nicht die Rinder auch noch übernehmen könne.

Seitdem kommt er so gut wie täglich in die Talaue und kontrolliert, ob bei den Tieren alles in Ordnung ist. Bei diesen Besuchen steht Thoröe quasi permanent unter Beobachtung. An diesem Morgen schaut ihm ein kleines Mädchen mit Fahrradhelm zu, ein älteres Pärchen sowie eine Seniorin namens Maria, die seit mehreren Jahren täglich mit ihrem Rollator sowie einem Bund Karotten zu „ihren Kühen“ rollt, wie sie erzählt.

Spätestens bei der Remstal-Gartenschau im vergangenen Jahr habe man gemerkt, dass die Rinder die unangefochtene Lieblingsattraktion in der Talaue seien, sagt Björn Thoröe: „Da wurden für sehr viel Geld viele tolle Projekte umgesetzt. Aber die meisten Besucher standen hier.“ Wenn er bei den Rindern sei, werde er auch jedes Mal angesprochen: „Die Leute wollen alles wissen: was die Rinder essen, wo die schlafen, ob das Yaks sind. Für Menschen aus der Stadt, die kaum Kontakt zu Rindern haben, ist das etwas Besonderes.“

Die Rinder dienen als Rasenmäher

Dass in der Talaue und am Schüttelgraben in Waiblingen schottische Rinder weiden, geht auf eine Initiative des Naturschutzbunds (Nabu) vor etwa 20 Jahren zurück. Die Stadt Waiblingen ließ sich damals auf das Experiment ein, die Fläche in der Nähe des Hallenbads und der B 14 möglichst naturnah zu nutzen. Die Rinder sind so etwas wie ein umweltfreundlicher und kostengünstiger Rasenmäher. Zugleich wird die Artenvielfalt der Wiesen in der Talaue bewahrt, ohne dass alles zuwuchert. „Je nachdem wie viel es geregnet hat und die Vegetation ist, wechseln die Rinder alle sechs bis acht Wochen die Weide“, erläutert Björn Thoröe.

Einfach ist diese Tierhaltung mitten in der Stadt aber nicht immer: „Manchmal kaufen die Jugendlichen, die da drüben skaten, Tortenböden und werfen die dann zu den Rindern rein“, berichtet Björn Thoröe und zeigt auf den benachbarten Skaterpool. In dem Moment findet er eine leere Bierflasche im Gehege seiner Rinder, seufzend wirft er sie hinaus. Zum Glück sind die vier Schottinnen sehr robust: Sie bleiben auch das ganze Jahr über draußen, nur bei Sturm oder Starkregen suchen sie Schutz in einem hölzernen Unterstand.

Man kann Schildkröten oder echte Skater-Cracks beobachten

Doch auch wenn Lisa und Co. für viele Menschen die Hauptattraktion in dem Landschaftspark Talaue sind – es gibt dort noch mehr zu entdecken. Vor Jahren wurden an der Rems heimlich Schildkröten ausgesetzt, seitdem leben dort und am Tal­auesee mehrere Rotwangen- und Gelbwangen-Schmuckschildkröten.

Und im Jahr 2019 wurde neben dem Gehege der Rinder ein Skaterpool eröffnet. Seitdem treffen dort Skater, Long­boarder und BMX-Fahrer aufeinander, mitunter auch echte Cracks. Vor einem Jahr war beim Vans Pro Cup, so etwas wie der inoffiziellen Weltmeisterschaft im BMX-Sport, Fahrer aus 17 Ländern zu Gast in Waiblingen. Wer ruhigere Bewegung bevorzugt, kann sich im Spielgolf üben, das ebenfalls in der Talaue angeboten wird. Weniger sportlich, dafür umso informativer geht es – normalerweise – im nahe gelegenen Bieneninformationshaus zu. Aufgrund der Corona-Pandemie ist dieses derzeit aber geschlossen.

Problemlos zugänglich ist unterdessen der noch recht neue Aktivspielplatz sowie die vielen Sitzgelegenheiten, die teilweise wie Liegestühle anmuten, außerdem die Kneipp-Becken und die Rems-Terrassen, von denen aus man seine Füße im Fluss kühlen kann. Ebenfalls wichtig zu wissen: Es gibt mehrere Biergärten und Restaurants in unmittelbarer Nähe.

Alvarium derzeit geschlossen

Rinder

Lisa, Leni, Jule und Mia sind das ganze Jahr über draußen. Man kann die vier Hochlandrinder kaum verfehlen; vom Wohnmobil-Parkplatz des Waiblinger Hallenbads aus (An der Talaue 10) sieht und hört man sie bereits.

Bienen

Normalerweise ist das Bieneninformationshaus an Wochenenden regelmäßig für jedermann geöffnet, es gibt Informations- und Thementage. Außerdem werden kostenlose, individuelle Führungen angeboten. Aufgrund der Corona-Pandemie bleibt das Alvarium derzeit aber noch geschlossen.

Golf

Die Spielgolfanlage an der Talaue ist von April bis Oktober geöffnet – auch in diesem Jahr. Unter der Woche kann von 14 Uhr an gespielt werden, an Wochenenden und Feiertagen von 10 Uhr an. Erwachsene bezahlen sechs Euro Eintritt, Kinder vier Euro.

Anfahrt

Vom Stuttgarter Hauptbahnhof aus geht es mit der S 2 bis nach Waiblingen. Von dort fährt der Bus 204 bis zur Haltestelle Waiblingen Rundsporthalle, wo der Spaziergang durch die Talaue beginnen kann.

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