Stadtökologischer Rundgung durch Reutlingen

1. Naturkundemuseum

Das Reutlinger Naturkundemuseum bietet umfassende Informationen über den Naturraum der Region d.h. deren Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt, ihren geologischen Untergrund und ihre erdgeschichtliche Vergangenheit.

Der Fachwerkbau am Weibermarkt, worin sich das Naturkundemuseum seit 1998 befindet, wurde 1728 errichtet und diente in den letzten 270 Jahren fast ausschließlich zu pädagogischen Zwecken. Auf vier Etagen wird heute eine Dauerausstellung präsentiert, welche die regionalen Entwicklungen und Erscheinungen der Landschaft unter naturkundlichen Aspekten darstellt. Dem Besucher werden dabei allerhand Informationen über die Genese der Landschaft und der Region vermittelt. Zu den Informationen zählt beispielsweise, dass Reutlingens Untergrund 190 Millionen Jahre alt ist, dass sich im Untergrund ein ca. 14 Millionen Jahre alter Vulkan befindet und dass auf den Streuobstwiesen Lebensraum für 5000 Arten geschaffen wird.

 

2. Marktplatz: Wärmeinsel Stadt

Der Marktplatz bildet den urbanen Mittelpunkt Reutlingens. Er ist großräumig versiegelt und erhielt sein heutiges Erscheinungsbild erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Grund sind die verschiedenen Brand- und Kriegsereignisse anzuführen, welche die ursprüngliche Bebauung des zuvor kleineren Marktplatzes fast völlig zerstörten. Außerdem sind diese Ereignisse an den Gebäuden rund um den Marktplatz deutlich sichtbar. Der Spitalhof, der sich an der nordöstlichen Ecke des Platzes befindet, zählt zu einem der ältesten Gebäude der Stadt. Dem gegenüber stehen, zum Ledergraben hin gerichtet, die neueren Gebäude aus Beton, Stahl und Glas, welche für das technisch-industrielle Zeitalter stehen.

Auf dem Marktplatz selbst befinden sich nur wenig einzelne Bäume. Im Zusammenhang mit dem hohen Versiegelungsgrad und der dichten Bebauung beeinflusst dies neben anderen klimarelevanten Faktoren die Ausbildung eines Stadtklimas, welches sich durch ein stadteigenes Temperaturfeld auszeichnet. Im Vergleich zum umgebenden Umland sind die Temperaturen im Stadtzentrum im jährlichen Mittel um 0,5 – 1,5°C höher, wodurch der Stadtkörper selbst als Wärmeinsel dient.

 

3. Heimatmuseum: Fassadenbegrünung

Das Heimatmuseum Reutlingen, welches als historisches Museum dient, ist seit dem Jahr 1939 in dem ehemaligen Pfleghof des Klosters Königsbronn untergebracht.

Bereits 1889 wurde die erste „Sammlung städtischer Eigentümer“, welche die heutige Basis des Museumsbestandes bildet, vom Altertumsverein der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine immer größer werdende Sammlung führte in den 1920er Jahren zum Wunsch eines eigenen Heimatmuseums, welches schließlich 1939 eröffnet wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Museum vorübergehend geschlossen und im April 1949 wiedereröffnet. Seit 1986 ist Dr. Werner Ströbele Museumsleiter.

Das Heimatmuseum beherbergt eine Vielzahl von Ausstellungsstücken aus der Region und zeigt Stadtkulturgeschichte vom 13. bis zum 20. Jahrhundert.

Aus stadtökologischer Sicht hat das Fachwerkgebäude den Vorteil, dass es durch das sich daran hochrankende Efeu vor extremen Witterungseinflüssen geschützt wird. Hausfassaden, die mit Kletterpflanzen bewachsen sind, tragen vor allem im Innenstadtbereich zur Umweltentlastung bei. Außerdem wirken sie sich hinsichtlich Mikroklima und Lufthygiene positiv aus. Die positiven Effekte, die sich daraus ableiten lassen sind besonders bei der Temperatur, der Feuchtigkeit und dem Schadstoffgehalt in der Luft erkennbar.

Die durch die Sonneneinstrahlung bedingte Überwärmung des Gebäudes wird verhindert, weil die natürliche Energiezufuhr tagsüber reduziert wird. Der Grund dafür liegt darin, dass die Sonneneinstrahlung von der Pflanze zur Photosynthese absorbiert wird. Durch die Verdunstungskälte, die bei der Pflanzenatmung entsteht sowie durch die Wärmespeicherfähigkeit des Pflanzenkörpers wird die Temperatur in Gebäudenähe verringert.

Der wichtigste Vorteil der Fassadenbegrünung liegt in der Ausbildung eines Luftpolsters zwischen der Hauswand und dem Pflanzenkörper welches dazu führt, dass der natürliche Energiefluss durch die Hauswand stark verringert wird. Die Folgen davon sind ein geringerer Energieverbrauch im Winter und eine geringere Aufheizung und somit kühlende Wirkung im Sommer.

Ein weiterer Vorteil der grünen Wände liegt darin, Staub- und Schmutzpartikel aus der Luft zu filtern.

 

4. Pomologie: Messstation der LUBW (ehemals LFU)

Die private Lehranstalt ’Pomologie, Obstkultur und Gartenbau’ wurde im Jahre 1859 von E. Lucas gegründet und genoss im In- und Ausland einen sehr guten Ruf in der Ausbildung von Schülern und Gärtnern. Nachdem das Grundstück 1922 in Privatbesitz übergegangen war, wurde es 1964 von der Stadt erworben. In Verbindung mit der Landesgartenschau 1984 wurde das zuvor als Autoabstell- und Lagerplatz genutzte Grundstück saniert und zum öffentlichen Park umfunktioniert - Ziel war eine ökologischen Stadtentwicklung. Es wurde ein nahtloser Übergang zum begrünten Dach der neuen Tiefgarage geschaffen. Heute stellt die Pomologie gemeinsam mit dem Volkspark und der Echaz sowie durch die Verbindung über die Planie hindurch zur Achalm einen wichtigen Teil der Grünvernetzung der Stadt Reutlingen dar. Eine Vielkomponentenluftmessstation der LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Bildung Baden-Württemberg), die ständig die Luftqualität Reutlingens mittels technischer Messverfahren misst, befindet sich seit 1984 auf dem Gelände.

Die Luftqualität der Stadt hängt von einer Vielzahl luftfremder Stoffe und Stoffverbindungen ab. Durch luftverunreinigende Stoffe kann sich die Zusammensetzung der Atmosphäre ändern, was sich schädigend auf Menschen, Tiere und Pflanzen auswirken kann. Die Luftverunreinigungen werden größtenteils durch die Quellgruppen Verkehr, Hausbrand, Industrie und Gewerbe verursacht und sind in der Stadt durch eine sehr hohe Schadstoffkonzentration erkennbar. Durch Luftströmungen werden die ausgestoßenen Schadstoffe in der Atmosphäre verbreitet und gelangen so als Transmission an ihren Schädigungsort, wo sie sich als Immission auf das Ökosystem auswirken.

Die Luftmessstation der LUBW zeichnet einige Hauptkomponenten der in der Luft enthaltenen Schadsubstanzen auf: Kohlenmonoxid (CO), Kohlendioxid (CO2), Stickstoffverbindungen (Nox), Schwefeldioxid (SO2), und Ozon (O3). Außerdem werden erheblich umweltbelastende Substanzen wie Kohlenwasserstoffverbindungen und Staub aufgenommen.

Auffallend ist, dass die Belastung der Stadtluft mit SO2, welches vorwiegend von Großfeuerungsanlagen ausgestoßen wird, abnimmt und im Gegensatz dazu die Belastung durch die vom Kfz-Verkehr emittierten Stoffe wie NOx, CO2 und Kohlenwasserstoffe zunimmt.

 

5. Pomologie: Obstwiese - Flechten als Umweltindikatore n

Als Ergänzung zu den physikalischen Messmethoden werden Bioindikatoren eingesetzt, die als lebende Zeiger Informationen über die Qualität ihrer Umwelt geben können. Als Bioindikatoren werden sehr häufig Flechten benutzt, die dazu dienen, die lufthygienische Situation in den Städten anzuzeigen. Sie können Informationen über die Qualität ihrer Umwelt abgeben, da sie aufgrund ihrer physiologischen Eigenheiten hochsensibel auf Veränderungen der Atmosphäre reagieren. Flechten sind Symbioseorganismen aus Algen und Pilzen. Sie beziehen ihre zum Leben notwendigen Stoffe wie Wasser, Mineralsalze und Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Ihr Flechtenkörper besitzt keine Abschlussgewebe und somit keine Regulationsmöglichkeiten hinsichtlich der Aufnahme atmosphärischer Schadstoffe, weshalb sie ständig der Wirkung von Immissionen ausgesetzt ist. Das Wachstum der Flechte wird durch die Änderung der Feuchtigkeits- und Temperaturverhältnisse beeinflusst. Eine Beeinträchtigung des Wachstums bis hin zum Absterben tritt auf, wenn das Versorgungsmedium gestört wird. Aufgrund dieser Eigenarten lässt sich die Lebensfunktion sehr eng mit den Belastungen der Atmosphäre in Verbindung setzen, wodurch die am jeweiligen Standort auftretende biologisch wirksame Gesamtbelastung angezeigt wird.

Zur flächendeckenden Ermittlung der Luftqualität im Raum Reutlingen wurde dazu in den Jahren 1979, 1984, 1989, 1994, 2000 und 2008 eine Flechtenkartierung durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Messungen wurden in einer Flechtenkarte dargestellt. Durch das räumliche Verbreitungsbild der Kartierungsergebnisse, welche in drei unterschiedliche Flechtenwuchszonen unterteilt sind (Zone II, III, IV), wird ein Überblick über die flächendeckende Gesamtbelastung der Luft gegeben. Im Gebiet des Stadtkerns sind die stärksten Flechtenschäden zu erkennen. Nach außen hin schließt sich ein Gürtel mit mäßig geschädigten Flechten an.

 

6. Echaz: Fußgängersteg am Oskar-Kalbfell-Platz: Stadtgewässer

Mit Beginn der Industrialisierung und Ausdehnung der Stadt begann sich die Echaz zu einem typischen Stadtgewässer zu entwickeln, an dessen Ufer sich Textil-, Leder- und Papierfabriken ansiedelten. Für die Energiegewinnung wurde der Lauf der Echaz begradigt, verkürzt und durch Wehre verbaut. Parallel mit dieser Entwicklung hat sich die Gewässergüte der Echaz zunehmend verschlechtert, da sie als Vorfluter für ungereinigte Abwässer genutzt wurde. Der Fluss wurde aus seinem ökologischen Gleichgewicht gerissen; parallel dazu hat sich das Echaztal zu einer Mühlen- und Industriegasse entwickelt. Mit Beginn des Straßen- und Verkehrsbooms Mitte der 60er-Jahre wurde die Echaz umgelegt, kanalisiert, verdolt und dadurch ganz aus dem Stadtbild verdrängt. Im Bereich des Oskar-Kalbfell-Platzes, über den der Fußgängersteg führt, wurde die Straße verbreitert. Dazu musste die Echaz verdolt und überdeckelt werden. Durch den Ausbau der Echaz gingen die Vielfalt und die ökologische Stabilität des Gewässers verloren. Die Folgen waren eine Zunahme der Hochwasserspitzen, die Zerstörung der Tier- und   Pflanzenwelt sowie der Verlust der Selbstreinigungskraft des Wassers.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde bewusst, welche negativen Auswirkungen diese anthropogenen Eingriffe hatten. Ziel war es nun, mit Sanierungs- und  Renaturierungsmaßnahmen die Schäden der Echaz zu beheben und sie wieder in einen möglichst naturnahen Zustand zurückzusetzen. Mit der Renaturierung der Echaz wurde jedoch erst Anfang der 80er Jahre begonnen, als die Landesgartenschau nach Reutlingen kam. 1997 wurde die Echaz im Stadtgebiet beim Tübinger Tor in Höhe des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) rückgebaut. Im Bereich des ehemaligen Bruderhausgeländes, auf dem seit 2009 die Reutlinger Stadthalle errichtet wird, wurde die Echazverdolung am Oskar-Kalbfell-Platz zurückgebaut und die Echaz konnte somit naturnah gestaltet werden. Durch die Renaturierungsmaßnahmen haben sich der ökologische Zustand der Echaz sowie deren Gewässergüte zunehmende verbessert.

 

7. Tübinger Tor: Städtische Windsysteme

Das Tübinger Tor war eines der drei Haupttore im mittelalterlichen Befestigungsring der Stadt, die für den Verkehr offen waren. Davor befand sich der Stadtgraben, der im Zuge der Stadterweiterung aufgefüllt und überbaut wurde. Heute befindet sich das 36 m hohe Tübinger Tor weit innerhalb der Stadt und dient als Fußgängerdurchgang zur dicht bebauten Altstadt.

Einhergehend mit dem Stadtwachstum ist die Veränderung der Windsysteme in Bezug auf Richtung und Geschwindigkeit. Die modifizierten Luftströmungen, die sowohl horizontal als auch vertikal die Stadt durchziehen, lassen sich durch die größere
Oberflächenrauhigkeit und die spezifischen thermischen Verhältnisse der Stadt begründen. Dadurch wird ein stadteigenes mechanisch bzw. thermisch induziertes Windsystem ausgebildet.

Da der Siedlungskörper als ein Hindernis für die Strömung wirkt, wird die Reibung erhöht wodurch sich die Geschwindigkeit der übergeordneten Windsysteme verringert. Verglichen mit dem unbebauten Umland sind die Windgeschwindigkeiten innerhalb der Stadt geringer und die Windstillen nehmen zu. Da durch die Oberflächenrauhigkeit der Reibungswiderstand erhöht und die Windgeschwindigkeit gleichzeitig reduziert wird, kommt es zur städtischen Erwärmung. Außerdem kommt es durch eine Verlangsamung der Windgeschwindigkeit dazu, dass der Luftaustausch verringert und damit der Schadstofftransport behindert wird.

Der Siedlungskörper hat eine großräumige Bremswirkung. Aber auch kleinräumig können innerhalb der Stadt Verwirbelungen mit Böen an den verschiedenen Gebäudestrukturen auftreten sowie Düsen- und Kanaleffekte durch die Verengungen des Strömungsraumes in Straßenschluchten entstehen. Innerhalb der Stadt wird die Geschwindigkeitsverteilung an den Gebäuden und in den Straßen von der Ausrichtung Höhe der dicht nebeneinander stehenden Bauwerke beeinflusst. Bei austauscharmen Strahlungswetterlagen bilden sich aufgrund der unterschiedlichen Erwärmung von Stadt und Umland thermisch bedingte Windsysteme aus.

 

8. Karlstraße: Straßenverkehr

Die Wilhelmstraße bildete im Mittelalter die Hauptstraße, parallel dazu verlief eine breite Nebenstraße, die heutige Metzgerstraße. Die Karlstraße wurde im 19. Jahrhundert im Zuge der Stadterweiterung westlich an die Altstadt angelegt. Nachdem die beiden mittelalterlichen Straßenzüge während der 70er Jahre zur Fußgängerzone bzw. Tempo-30-Zone umgestaltet wurden, hat sich das ganze Verkehrsaufkommen auf die Karlstraße abgewälzt. Das hatte zur Folge, dass sich die Karlstraße zu einer der am meisten befahrenen Straße im gesamten Stadtgebiet entwickelte. Heute ist sie eine sehr wichtige innerstädtische Verkehrsachse, an deren Seiten sich große Kauf- und Geschäftshäuser befinden. An der Karlstraße lassen sich sehr deutlich die Probleme der starken Umweltbelastung erkennen, die durch den Straßenverkehr ausgelöst werden. Als Gründe lassen sich die starke Zunahme des motorisierten Individualverkehrs, des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und des Güterverkehrs anführen. Die Umweltprobleme kommen einerseits durch die Flächeninanspruchnahme des fließenden und ruhenden Verkehrs, wodurch aus stadtökologischer Sicht wichtige Grün- und Freiflächen verloren gehen. Außerdem geht mit der Zunahme des Straßenverkehrs ein steigender Energieverbrauch einher. Daraus ergibt sich eine erhöhte Schadstoffemission, wodurch das Ökosystem sowie die Luft, der Boden, das Wasser und nicht zuletzt die menschliche Gesundheit belastet werden. Zudem wird durch die von den Verbrennungsmotoren erzeugte Wärme die Lufttemperatur erhöht, was die Entwicklung einer städtischen Wärmeinsel zur Folge hat. Nicht zu vergessen bleibt die Lärmbelästigung, die zu gesundheitlichen Schäden führen kann.

 

9. Gartentor: Tiere in der Stadt

Das Gartentor wurde im 13./14.Jahrhundert erbaut und stellt zusammen mit dem Tübinger Tor ein weiteres Indiz für die Stadtausdehnung im Mittelalter dar. Die Bedeutung des Gartentors als Durchgangstor ergab sich erst mit der Ausdehnung der Stadt nach Nordosten hin im 19. Jahrhundert. Die natürlichen Lebensräume wildlebender Tiere wurden durch das Stadtwachstum vernichtet, weshalb sich viele Tierarten an die Technikwelt angepasst und somit neue Lebensräume besiedelt haben. Diese städtischen Habitate wie beispielsweise Friedhöfe, Parkanlagen, Gärten, Gewässer, Gebäude und Brachland bieten vor allem Vögeln, Insekten und Kleinsäugern einen neuen Lebensraum. Die unterschiedlichen Tierarten besiedeln dabei immer diejenigen ökologischen Nischen, welche ihren natürlichen Lebensräumen am ähnlichsten sind.

Im Falle des Gartentors wohnt hier ein Turmfalke, der das steinerne Bauwerk als Ersatz für Felswände zum Brüten nutzt. Stadttauben bedienen sich der Dächer, Simse und Mauervorsprünge der Gebäude als Wohn- und Brutstätte. Der Lebensraum von wärmeliebenden, meist wirbellosen Tierarten, d.h. Insekten, befindet sich an Außenwänden von Gebäuden, die eventuell begrünt sind. Außerdem gibt es viele weitere Tierarten, die sich an einen Lebensraum in der Stadt adaptiert haben: Ratten leben im Kanalisationsnetz der Stadt, Mäuse in Kellern und auf Dachböden genau wie Fledermäuse, die während der Sommermonate auf Dachböden alter Bauwerke leben.

Gefahren für die in der Stadt lebenden Tiere ergeben sich aus den städtischen Strukturen wie z.B. Gebäudekomplexe und Straßen, die für die Tiere eine nicht zu überwindende Barriere darstellen. Somit ergibt sich eine Verinselung der Lebensräume.

 

10. Stadtgarten: Funktion von Grünflächen

Der Stadtgarten, der sich in der nördlichen Verlängerung der Planie befindet, bildet seit 1905 eine wichtiges Verbindungselement des innerstädtischen Grünsystems. Er ist somit ein wesentlicher Bestandteil der Stadtbilds. Seine Erholungs- und Freizeitfunktion für Stadtbewohner einerseits und seine Funktion als klimatische Ausgleichsfläche innerhalb der dicht bebauten Stadt andererseits machen ihn unverzichtbar.

Für die klimaregulierende Wirkung dieser Vegetationsfläche sowie für die Tier- und Pflanzenarten spielen sowohl die Gestaltung und Pflege der Grünanlage als auch die Intensität der Nutzung eine entscheidende Rolle.

Oft werden solche Grünflächen innerhalb einer Stadt als „Grüne Lungen“ bezeichnet, weil sie eine ausgleichende Wirkung auf das Klima und die Luftqualität der Stadt haben. Durch die erhöhte Verdunstung über den vegetationsbedeckten Flächen lässt sich ein positiver klimatischer Effekt belegen. Außerdem wird durch die höhere Luftfeuchtigkeit über Grünflächen und die Infiltration, die wichtig für den städtischen Wasserhaushalt ist, das Stadtklima positiv beeinflusst.

 

11. Bahngleisbrache: Ruderalsukzession

Innerhalb des dicht bebauten Stadtgebiets kommt es vor, dass anthropogen überformte Flächen vorübergehend nicht genutzt werden. Dies ist auch an der nördlich des Stadtgartens angrenzenden Eisenbahnlinie, die einst dem Personennahverkehrs zwischen Reutlingen und Pfullingen diente, der Fall. Die Bahnlinie wird heutzutage nicht mehr befahren und es ist die Ausbreitung einer Schuttflächen- und Ruderalvegetation deutlich erkennbar. Deren Entwicklung zeichnet sich durch die unterschiedlichen Stadien der Vegetationssukzession aus. Auf die Erstbesiedlung durch Pionierpflanzen folgt die progressive Sukzession über Folgegesellschaften bis hin zur Klimaxgesellschaft.

Die Standorteigenschaften des Gleisbereichs zeichnen sich durch schnell austrocknende sowie nährstoffarme Böden aus. Zudem ist eine starke Erwärmung der Oberfläche charakteristisch. Diese Bedingungen fördern eine schnelle Ausbreitung von trocken- und herbizidresistenten Neophytenarten auf dem geschotterten Gleiskörper. Aus dem sich zunächst ausbildenden Pionierstadium entwickelt sich die Ruderalstauden. Diese können allmählich durch das Ruderalgebüsch und Vorwaldgesellschaften abgelöst werden.

Im Bereich des Stadtgartens ist das Pioniergehölzstadium anzutreffen. Dort kommen ruderale Holunder- und Brombeergebüsche sowie Jungstadien von Birke, Ahorn,
Esche und Robinie vor, deren Samen offenbar aus den nahe gelegenen Gärten kommen. Bis eine Bahnbrache vollständig von Pflanzen erobert ist, vergehen normalerweise mindestens 9 Jahre. Mit zunehmendem Alter gewinnt die Bahnbrache vor allem als Verbindungs- und Wanderungslinie für wildlebende Tiere enorm an Bedeutung.

 

12. Planie: Stadtmenschen

Mit dem Wandel Reutlingens von der Handwerker- zur Industriestadt kam es zu einer Veränderung der Lebensbedingungen. Da die Bürger unter den negativen Veränderungen der Umweltbedingungen schwer zu leiden hatten, wurde 1836 die Planie, ein alleenartig Grünzug aus Linden, Kastanien und Platanen angelegt, der zur Ruhe und Erholung für die Stadtmenschen dienen sollte. Noch heute dient die Planie als Naherholungsgebiet.

Durch die Veränderung der abiotischen Umweltmedien ergeben sich negative Einflüsse auf den Menschen, die sich als Störungen seines Wohlbefindens sowie seiner Gesundheit deutlich machen. Dabei sind vor allem die lufthygienischen und klimatischen Veränderungen von großer Bedeutung. Durch anthropogen bedingte Schadsubstanzen in der Luft, d.h. Luftbelastung, steigt das Krebsrisiko. Der erhöhte Ozongehalt kann zu einer Zunahme von Lungenerkrankungen führen. Außerdem kann sich die innerhalb der Stadt veränderte Sonneneinstrahlung durch ihren Mangel an UV-Strahlen negativ auf den Stadtmenschen auswirken. Der Lärm wirkt sich nicht direkt auf die Gesundheit des Menschen aus, jedoch wird die Lebensqualität durch das Vorhandensein von Lärm deutlich beeinträchtigt. Ein weiterer negativer Faktor besteht in der Zusammenballung vieler Menschen auf sehr engem Raum.

Als Folgen dieser negativen Auswirkungen der Stadt versuchen die Bewohner durch Wochenendausflüge und Kurzurlaub zu entfliehen. Außerdem zeichnet sich durch den Verlust der Lebensqualität im Stadtkern eine Abwanderung der Bewohner in die Stadtrandbereiche ab. Doch diese sogenannte Suburbanisierung führt zur Landschaftszerstörung, was sich letztendlich wieder negativ auf den Menschen auswirkt.

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