Beethoven NEUN
- Location:
- Opernhaus Stuttgart, Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
- Datum:
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„O Freunde, nicht diese Töne! Sondern lasst uns angenehmere anstimmen und freudenvollere!“ Das ist unerhört! Da erhebt doch tatsächlich nach den ersten drei Sätzen der Sinfonie Nr. 9 von Ludwig van Beethoven plötzlich jemand die Stimme und singt. In einer Sinfonie! Das hatte es noch nie gegeben. Schon zu Beginn des letzten Satzes war die Musik ins Stocken geraten, schien es, als ginge es nicht weiter. Die Themen der drei vorhergehenden Sätze wurden noch einmal angespielt und wieder verworfen. Kein Fortkommen. Stattdessen stürzen Klangkaskaden herab, in denen Richard Wagner eine „Schreckensfanfare“ erkennen wollte. Und plötzlich treten aus dem Nichts Gesangstimmen und Chor hinzu und führen uns alle, Orchester, Solist*innen, Chor und Publikum per aspera ad astra: aus der Sackgasse ins Finale. Freude! Freude! Unvorstellbar, wie das bei der Uraufführung der Sinfonie 1824 gewirkt haben mag. Unvorstellbar auch, dass der völlig ertaubte Komponist die Aufführung dirigiert hat, oder besser gesagt: so getan hat, als würde er dirigieren, während der „echte“ musikalische Leiter ein paar Meter von ihm entfernt stand. In mehrerlei Hinsicht ist der Weg zum Theater da nicht weit. In der Ode an das Leise, die Cordula Däuper und Bas Wiegers in der Auseinandersetzung mit dem Finalsatz aus der Neunten und anderen Kompositionen Beethovens entwickeln, geht es um das Dazwischen, um die Zwischenräume. Um die Stille, die die einzelnen Töne voneinander trennt und unterscheidbar macht. Auch um die Stille, die den nicht-hörenden Komponisten von seinen Mitmenschen trennte und isolierte. Aber natürlich auch um das Himmelstürmende, das heroisch Auftrumpfende. Und um die Utopie, dass aus allen Menschen Geschwister werden. „Diesen Kuss der ganzen Welt!“
Konzert mit Szene um den 4. Satz der 9. Sinfonie
von Ludwig van Beethoven