Show Me The Body
- Location:
- Im Wizemann (Studio), Quellenstraße 7, 70376 STUTTGART
Show Me The Body
Wer verstehen will, warum Show Me The Body mehr ist als eine weitere New Yorker Post-Hardcore-Band, muss dorthin zurückgehen, wo alles begann: unter Brücken, in Kellern, in jenen provisorischen Zwischenräumen einer Stadt, die ihre eigenen Kinder oft übersieht. Es ist kein Zufall, dass sich die Musik des Duos stets wie ein Echo dieser Orte anfühlt: roh, unversöhnlich, zugleich nach Gemeinschaft suchend.
Gegründet von Julian Pratt und Harlan Steed hat die Band über Jahre hinweg ein Klangvokabular entwickelt, das sich jeder eindeutigen Zuschreibung entzieht. Banjo trifft auf verzerrte Bassflächen, Noise auf Hip-Hop, Ritual auf Wut. Es ist diese eigentümliche Mischung, die Show Me The Body so besonders macht.
Mit ihrem letzten Album „Trouble the Water“ (2022) verdichten Show Me The Body diese Ansätze zu einer Art klanglicher Beschwörung. Der Titel, der lose auf biblische Alchemie verweist, ist dabei weniger Rückgriff als Aufbruch. Statt Nostalgie formuliert die LP eine Gegenwart, in der Zusammenhalt nicht gegeben, sondern täglich neu hergestellt werden muss. Pratts Texte wirken dabei wie liturgische Fragmente – fordernd, tastend, manchmal von einer fast zärtlichen Radikalität. Steeds Produktion hingegen zerlegt vertraute Strukturen in flirrende, fehlerhafte Rhythmen. Auch auf ihren neueren Singleveröffentlichungen ist dieser charakteristische Sound greifbar und zeigt die Band zugleich im Prozess stetiger Weiterentwicklung.
Doch so sehr ihre Platten als intellektuelle Entwürfe gelesen werden können, entfaltet sich die eigentliche Kraft der Band, die live mit dem Schlagzeuger Nijol Benjamin vervollständigt wird, erst auf der Bühne. Die Konzerte von Show Me The Body sind keine bloßen Aufführungen, sondern kollektive Erfahrungen, irgendwo zwischen Zeremonie und Ausnahmezustand. Seit Jahren organisiert die Band mit ihrer Plattform CORPUS nicht nur Tourneen, sondern bewusst gestaltete Räume, in denen sich unterschiedlichste Szenen begegnen: Punk, Rap, Noise, und vor allem Menschen, die sonst selten gemeinsam gedacht werden. Diese Shows sind laut, körperlich, manchmal chaotisch, aber immer von einer eigentümlichen Dringlichkeit getragen. Wer hier tanzt und schwitzt, wird Teil eines größeren Zusammenhangs. Gerade in der aktuellen Zeit zeigen Show Me The Body eine andere Möglichkeit auf: Bewegung als Widerstand, Gemeinschaft als radikale Geste. Oder, wie Pratt es einmal zugespitzt formuliert: „Was könnte besser sein, als zusammenzukommen – im Konflikt, im Tanz, im Begehren?“
Dass diese Idee längst über New York City hinausstrahlt, beweisen ihre internationalen Konzerte, die eher wie wandernde Netzwerke funktionieren, und doch bleibt der Ursprung – jene Stadt, die zugleich Kulisse, Gegner und Inspirationsquelle ist – spürbar.
Im Juni 2026 wird sich diese Energie auch hierzulande entladen, wenn Show Me The Body für ein Konzert nach Stuttgart kommen. Unterstützt werden sie dabei von Truck Violence aus Montréal, deren ebenso schonungslose wie verletzliche Mischung aus Hardcore, Folk und Noise die emotionalen Bruchlinien moderner Gemeinschaften freilegt und live einem kathartischen Ausbruch gleicht.
