Waldheim Raichberg, © SMG, Sarah Schmid

Die Waldheime: Rote Gesinnung trifft grüne Idylle.

Heute werden die Waldheime Gaisburg und Raichberg vor allem für ihre Ausflugslokale in naturnaher Umgebung geschätzt. Was so manchen Stuttgartern und Stuttgarterinnen nicht bewusst ist: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden sie von engagierten Arbeitern als Orte der politischen Auseinandersetzung geschaffen. Auch ärmere Menschen sollten mit ihrem Nachwuchs den stickigen Wohnungen im Talkessel entkommen und sich in der Sommerfrische am Stadtrand erholen können, ohne dabei auf einen gewinnorientierten Wirt zu treffen. Insgesamt fünf Original-Waldheime wurden auf diese Weise von Arbeitervereinen eröffnet. Nach Heslach (1908) und Sillenbuch (1909) eröffnete unter anderem 1910 das Waldheim Gaisburg. Getragen wurde es von einem Verein, dem Arbeitersänger und -sportler sowie Mitglieder des Sozialdemokratischen Vereins angehörten. Nach der Spaltung der Arbeiterbewegung in SPD und KPD verließen die Sozialdemokraten das „Gaisburg“ und gründeten direkt gegenüber das Waldheim Raichberg. 1933 enteigneten die Nazis beide Vereine und übernahmen ihre Versammlungsstätten für ihre Zwecke. Nach dem Krieg erhielten die Vereine jeweils ihre Waldheime zurück — und betreiben diese Oasen bis heute.