Viertel-Facts
Kommt der „Gaisburger Marsch“ aus Gaisburg? Wieso ist der „Rote Osten“ rot? Gab es „Am Mühlkanal“ einst wirklich Mühlen? So viele Fragen, da hilft nur eins: rausgehen und rausfinden. Und später mit Viertel-Facts angeben.
Kommt der „Gaisburger Marsch“ aus Gaisburg? Wieso ist der „Rote Osten“ rot? Gab es „Am Mühlkanal“ einst wirklich Mühlen? So viele Fragen, da hilft nur eins: rausgehen und rausfinden. Und später mit Viertel-Facts angeben.

Resteessen? Quatsch! Um den „Gaisburger Marsch“ ranken sich zahlreiche Legenden. Der älteste schriftliche Beleg steht im Zusammenhang mit dem „Eintopfsonntag“. Die Aktion des Winterhilfswerks (WHW) forderte 1933 dazu auf, an den ersten Sonntagen der Wintermonate nur Eintöpfe zu essen und das dadurch gesparte Geld dem WHW zu spenden. Als „Kartoffelschnitz und Spätzle“ ist das Gericht allerdings bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Der Mundartdichter Thaddäus Troll verbreitete 1972 wohl die bekannteste Entstehungsgeschichte: Den Offiziersanwärtern der nahe gelegenen Bergkaserne schmeckte das Essen dort nicht. So marschierten sie in militärischer Formation, im „Gaisburger Marsch“, zur Gaststätte Bäckerschmiede in Gaisburg, um dort den leckeren Ochsenfleischeintopf mit Einlage zu essen. Eine andere Version der Geschichte berichtet von den Gaisburger Männern, die in Kriegsgefangenschaft gerieten, weshalb ihren Frauen erlaubt wurde, sie mit einer täglichen Schüssel Essen zu versorgen. Die cleveren Damen mischten der Brühe so viel kräftigende Nahrung bei wie möglich. Bei den Kontrollen sahen die Soldaten die Spätzle obenauf schwimmen, übersahen jedoch das Ochsenfleisch und Kartoffeln am Boden.

Die Besiedelung des „Berg“sporns oberhalb des Neckars begann wohl im Mittelalter. Wo heute die neugotische Berger Kirche hervorsticht, befand sich eine Höhenburg und wahrscheinlich auch eine dazugehörige Siedlung. Eine zweite (Wasser)burg bestand nahe dem Nesenbach dort, wo heute das Schwimmbecken des Mineralbades Berg liegt. Beide Burgen wurden gegen Ende des 13. Jahrhunderts zerstört. Unterhalb der Berger Kirche liegt die Straße Am Mühlkanal. Die Bezeichnung geht auf einen etwa 1,7 Kilometer langen Mühlgraben zurück, dessen Verlauf heute noch an den Gärten zu erahnen ist. Wasser aus dem Neckar leiteten die Berger schon ab 1304 ab, um ihre erste Mühle zu betreiben. Weitere folgten, es entstand ein Mühlenviertel. Aus ihnen entwickelten sich nach dem 30-jährigen Krieg frühe Industriebetriebe. Berg war das Industriedorf Württembergs. Gleichzeitig blühte das Badeleben in den beiden Mineralbädern auf. Um die komplizierten Rechtsverhältnisse Bergs zu klären, wurde das Dorf 1836 als „Vorort“ nach Stuttgart eingemeindet. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden die Villa Berg und die Berger Kirche.